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Full text of "Untersuchungen über das mittelenglische Gedicht the Buke of the Howlat"

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ixis^-l.x. 



^aräartr College iLibrarg 

THK GIFT OF 

FREDERICK ATHEARN LANE, 

OF NEW YORK, N. Y. 

(CIs» st 184»). 



I 




© 



UNTERSUCHUNGEN 



ÜBER DAS MITTELENGLISCHE GEDICHT 



THE BÜKE OF THE HOWLAT 



INAUGUßAI.-DISSERTATION 

ZUE 
ERLANGUNG DER DOCTORWÜRDE 

DER 

HOHEN PHILOSOPHISCHEN FACULTÄT 

DER 

VEREINIGTEN FRIEDRICHS-UNIVERSITÄT 

HALLE-WITTENBERG 

VORGELEGT VON 

JOSEPH QUTMANN 

AUS BEVERUNGEN 



^•HALLE A/S 
1892. 









•^ " ^ V -• 









C. VOGT's Buchdruckerei (E. Ebering), Berlin, Linkstrasse 16. 



HEBBN 80BBBSKT 



IN GEBA 



IN DANKBABKEIT GEWIDMET. 



Yorbemerkungen« 

1. Handschriften des Buches von der Eule. 

a. Compilation von John Asloan, er, 1515 geschrieben, Auchin- 
leck Library. 

b. Bannatyne Ms., 1568 •geschrieben, Advocates Library, Edin- 
burgh. 

2. Ausgaben. 

a. Einige Quartseiten einer gedruckten Ausgabe fand Laing in 
den alten Deckeln eines Protocol-Book, das noch vor 1530 ge- 
ßchrieben war. 

b. Pinkerton, Appendix zu „Scotish Poems, reprinted from 
scarce editions", London 1792 (nach der jüngeren Handschrift). 

c. D. Laing, The Büke of the Howlat by Holland, printed at 
Edinburgh, 1823, Bannatyne Club (nach der älteren Handschrift^. 

d. Ein Neudruck der letzten Ausgabe wurde von D. Donaldson 
besorgt, Paisley 1882. 



Meiner Arbeit habe ich die Ausgabe von D. Laing zu Grunde 
gelegt. Die Belege in dem grammatischen Teil sind fast nur 
massgebenden Reimen entnommen; die seltenen Fälle, in welchen 
«ine Form aus dem Inneren des Verses angeführt wird, sind durch 
Vi (= Versinneres) kenntlich gemacht. 

Die Anregung zu dieser Arbeit ist von Herrn Professor 
Dr. Julius Zupitza ausgegangen, und es sei mir daher gestattet, 
meinem verehrten Lehrer an dieser Stelle meinen aufrichtigen 
Dank auszusprechen. 



I. Inhalt des Buches von der Eule. 

Der Inhalt des Gedichtes ist allerdings schon ausführlich 
und in den Hauptsachen richtig in der Vorrede zu Laing's Aus- 
gabe, p. XII— XVI, und in D. Irvings History of Scotish Poetry, 
p. 166, angegeben. Da es aber vielleicht nicht ohne Nutzen ist 
zu zeigen, dass nur ein verhältnismässig kleiner Teil des Werkes 
das eigentliche Thema behandelt, und wie sehr und wie oft der 
Verfasser sich von demselben entfernt, so lasse ich hier mit An- 
gabe der Strophenzahlen kurz den Inhalt folgen: 

Strophe 1—3: Der Dichter macht an einem schönen Mai- 
morgen einen Spaziergang, der ihn zu einer bluraengeschmückten 
Wiese und dann dem Ufer eines Flusses entlang durch einen Wald 
zu einem schönen See führt. 

Str. 4—7: Er hört eine Eule, die ihr Bild im Wasser 
sieht, sich über ihre hässliche Gestalt beklagen. Sie will zum 
Papst der Vögel gehen, um sich bei ihm über Dame Natur, die 
ihr ein so abschreckendes Äussere gegeben hat, zu beschweren. 
Vielleicht kann er auch durch sein Gebet etwas dazu thun, dass 
ihr Aussehen geändert werde. 

Str. 8 und 9: Sie klagt dem Pfau, der die Würde des 
Papstes inne hat, ihr Leid, bittet ihn, zu Christus zu beten, dass 
er sie zu einem schönen Vogel mache, und Natur bei Gott anzu- 
klagen. 

Str. 10 und 11: Der Papst darf gegen Natur keine Klage 
erheben, sendet aber seinen Boten aus, um die geistlichen Stände 
zu einer Versammlung zu berufen. Mit ihnen will er beraten, wie 
der Eule zu helfen sei. 



— 8 — 

Str. 12 — 19: Sie folgen der Aufforderung. Beschreibung 
der Vögel als geistlicher Würdenträger. 

Str. 20: Die Eule trägt vor der Versammlung noch einmal 
ihre Klage vor. 

Str. 21: Die Versammlung kann sich nicht einigen. 

Str. 22: Man beschliesst, auch die weltlichen Stände zur 
Beratung zu ziehen, da die Sache ihre gemeinsame Herrin Natur 
angeht. 

Str. 23 : Die Schwalbe, der Bote der Versammlung, eilt zum 
Kaiser, der in Babylon weilt, um ihm und seinen Vasallen die 
Botschaft au überbringen. 

Str. 24: Sie folgen dem Rufe. 

Str. 25 und 26: Aufzählung derjenigen Vögel, die dem welt- 
lichen Stande angehören. Der Specht hat das Amt eines pursevant, 

Str. 27 — 29: Er trägt das Wappen des Papstes, des 
Kaisers von Almane, der Könige von Frankreich und Schottland. 
Der Dichter giebt eine Beschreibung der Wappen dieser Fürsten. 

Str. 30 — 33 : Neben dem Wappen des Königs von Schott- 
land befindet sich das der Douglas. Lob dieses Hauses und Be- 
schreibung des Wappens. Der Dichter will die Geschichte der 
Douglas von der Zeit dos Bruce an erzählen. 

Str. 34 — 41 : Bruce beauftragt James Douglas, nach seinem 
Tode mit seinem Herzen nach dem heiligen Grabe zu gehen. James 
unterzieht sich diesem Auftrage. Seine Kämpfe mit den Sarazenen 
auf der Rückreise und sein Tod in der Schlacht. 

Str. 42 — 45: Weitere Beschreibung des Wappens der 
Douglas. Vergrösserung ihrer Hausmacht. 

Str. 46: Wappen des Earl of Murray. 

Str. 47 : Wappen des Earl of Ormonde und des Lord Balveny, 
des vierten Zweiges des Hauses Douglas. 

Str. 48: Wappen eines Angehörigen dieses Hauses, welcher 
der Familie feindlich gegenüber steht. 

Str. 49: Der Dichter bricht ab und will zu seinem eigent- 
lichen Thema zurückkehren. 

Str. 50 und 51: Weitere Schilderung des Gefolges des 
Kaisers und Bewillkommnuug desselben durch den Papst. 

Str. 52 — 55: Gastmahl der versammelten Stände. Sing- 
vögel kommen herbei, um ein Loblied auf die heilige Jungfrau an- 
zustimmen. 



— 9 — 

Str. 56 — 59: Lobgesang. 

Str. 60 und 61: Der ja als jufßour unterhält die Gesell- 
schaft mit seinen Gauklerstückchen. 

Str. 62 und 63: Die Dohle kommt als irischer Barde und 
belästigt die Versammlung mit ihren Lügen und Unverschämtheiten. 

Str. 64 und 65 : Der Kiebitz und der Kuckuck machen ihrem 
Treiben ein Ende, fallen aber dann zum Ergötzen der Gesellschaft 
einander selbst in die Haare. 

Str. 66 und 67: Nachdem der Papst das Tischgebet ge- 
sprochen, wird die Klage der Eule beraten, und man beschliesst, 
Natur anzuflehen, der Eule zu helfen. Natur erhört^ das Gebet. 

Str. 68: Sie befiehlt, dass jeder Vogel der Eule eine von 
seinen Federn gebe. 

Str. 69: Das geschieht. Natur macht daraus der Eule ein 
neues Kleid. Die Eule ist nun der schönste Vogel. 

Str. 70 und 71: Sie wird deshalb stolz. Die Vögel be- 
klagen sich bei Natur über ihren Uebermut. 

Str. 72 und 73 : Natur erlaubt jedem Vogel, die Feder, welche 

«r der Eule geliehen, derselben wieder zu nehmen. 

Str. 74 — 75, 7: Die Eule ist wieder so hässlich wie zu- 
vor, und macht sich Vorwürfe wegen ihres thörichten Stolzes. 

Str. 75, 8 — 76, 9: Ermahnung der Eule, allen Hoch- 
Gut und Stolz abzuthun. 

Str. 76, 10—12: Anrufung Gottes. 

Str. 77 : Widmung des Gedichtes an die Gräfin von Dunbar, 
memahlin des Archibald Douglas, und Schluss. 

IL Fabel des Gedichtes. 

In einer Anmerkung zu p. XVI seiner Vorrede zum Buche 
von der Eule führt Laing die Ansicht von Alexander Thomson an, 
dass der Dichter „tJfe story of his poem''^ der Fabel „of the 
Jackdaw with borrowed feathers^^ entnommen habe. 

Durch eine Vergleichung unseres Gedichtes mit den ver- 
schiedenen Versionen dieser so weit verbreiteten Fabel, die ich 
nach Fuchs, Die Fabel von der Krähe, die sich mit fremden 
Federn schmückt, Berl. Diss. 1886, anstellte, fand ich, dass das 
Buch von der Eule, soweit es von der Eule und ihrem Geschick 
handelt, derjenigen Version seinen Stoff entnommen hat, die in 



/'. 



t • 



- - 10 — 

den Narrationes des Odo de Ciringtonia (verüft'entlicht von Oester- 
ley, Jahrb. f. rom. u. engl. Lit. IX 149 und von L. Hervieux, Les 
Fabulistes latins, Paris J884, T. II, 600) enthalten ist. Der Voll- 
ständigkeit halber lasse ich dieselbe hier folgen: 

^ 

De cornice. 

Conitx semel videus se turpem et nigram conquesta est 
aquile, Aquila dicit ei\ quod mutuo recipertt plamas de divers is 
avibusj ftcitque sie. Accej^it de caiida pavonis, et de alis colum- 
bae, et sicut sibi placuit de ceteris avibns, Cornix vero videm se 
ornatam, cepit deridere et clamare contra (dias aves. Venerunt 
ergo aves et canqiierebantur aquile de superbia cornicis. Bespondit 
aquila. Accipiet quelibet avis pemiam suam et sie Inimiliabitur, 
Quo facto ^ cornix relicta est twpis et nuda. 

Sic miser homo de ornatu suo superbit. Sed si accipiat 
Ovis Janam suam, terra linum, boves et caprae corium suum^ ciro- 
grilli et agni pelles suas, et remanebit miser homo nudus et turpis. 
Et ita fiet saltem in die mortis sue. Item exemplum (valet) contra 
divites qui pro multitudine divitiarum suarum gloriantur. Sed 
dominus quandoque omnia aufert, et sie humiliantur. 

Anstatt der Kriihe, von welcher in dieser Fabel die Rede 
ist, hat der Dichter eine Eule eingeführt, auf deren Hässlichkeit 
auch bei Dunbar an mehreren Stellen sich Anspielungen finden, 
vgl. I, 42, 73 ft'; 135, 6 (nach der Ausgabe von David Laing, 
Edinburgh, 1834). 

Ist schon der ganze Gang der Handlung in der Fabel der- 
selbe, wie in unserem Gedichte, so wird die Annahme, dass der 
Verfasser diese und nicht eine andere Version benutzt hat, ganz 
sicher dadurch, dass die Moral, die sich an die Fabel schliesst, 
grosse Aehnlichkeit mit der Betrachtung hat, welche die Eule 
anstellt, nachdem sie wegen ihres Hochmuts ihrer geborgten 
Schönheit beraubt ist: 

Now marJc your mirour be me, all maner of man, 

Ye princis of prgde for penneis and prowe, 

That pullis the pure aij, 

Ye sali sing as I sag, 

AU your welth will away, 

'"' HS I warn yow. 

how bair thow was borne, and bair ay will be, 



7. 



— 11 — 

For oucht that sedia of thj seif in ony sessoun; 

Thy ciide, thy claithis, nor thy cost, cummis nocM of the, 

Bot of the frute of the erd, and Godis fiisoun. 

Quhen iUc thing hos the aione, suthli we se 

Thy ndkit cors bot of clay, a foule carioun, 

Hatit and hawles; quhar of art thow hie? 

We cum pure, we gang pure, baith l'ing a^id commoun. 

Bot thow reulethe richtuis, thj rovmesall orere. 75,8 — 76,9. 



III. Ein flu SS Chaucer's. 

Schon Alexander Thomson spricht sich in der oben ange- 
führten Anmerkung dahin aus, dass der Verfasser „i5 indebted to 
Chaucers Assemble of Foules for some of the poems principal 
decoraiions'' . 

Dass der Dichter dieses Werk gekannt und benutzt hat, 
ist unzw eifelhaft; jedoch muss zugestanden werden, dass er sich im 
Ganzen seine Origiualität gew ahrt hat, und dass die Aehn lichkeiten ^^ 
zwischen dem Buche von der Eule (BH.) und dem Parlament der Vögel 
(PF.) fast nur Aeusserlichkeiten betre ffen. So hat er sich in der Ein- 1 
leitung gewiss an Chaucer angelehnt, und die ersten drei Strophen 
unseres Denkmals entsp rechen den VV. 183 — 210 aus dem Parla- 
ment der Vögel, welche die Beschreibung des Gartens enthalten, 
in den Africanus den Dichter hat eintreten lassen. Besonders sind 
folgende Stellen zu vergleichen: 

Ä gardyn sawh I ful of blossomed bowis, 
lipon a ryver, in a grene mede, 
There as swetnes evermor ynowh is, 
With floures ivhite, blew, yelow, and rede, 

And colde welle stremes, nothing dede, 

- PF. (Morris IV. 57,) 183—187. 

mit: In the myddis of May, at mortie, as I ment, 

Throice myrth marh't on mold tili a grene meid, 
The bemes blythsst of lle fro the son blent, 
That all brichtnyt about the bordouris on breid, 
With alkyn herbes of air that war in erd lent 
The feldis flurist, and fret füll of fairhed; 



— 12 — 

Thus, throw thir cliftis so cleir^ 

Withoutin falloive or feir, 

I rail'it tili nne reveir, 

That ryally apperd. BH. 1,1—6 und 10—13. 

Ferner: 

On every bough the hriddes herde I synge, PF. 191. 

mit: All the hrayis of the hrim hair hranchis abuf, 
And hirdis blühest of ble on blössomes bair, 

BH. II, 3 und 4. 

And further abouten I gan espye, 

The dredfull roo, the buk, the h^rt, and hynde. 

PF. 194 f. 
mit: And for to lende by that laue, thocht ine levar, 
Becaus that thir*) hartes in heirdis couth huf, 

BH. 2, 6 f. 

Ther growen eke every holsome spiee and gras, 
Ke no man may thtre wexe stke ne olde. PF. 206 f. 

mit: The birth thatjhs grund bure was browdin on breidis, 
With girs gaye as ths gold, and granes of grace, 
Mendis and medicyne for mennis all neidis; 
Helpe to hsrt and to huii, heilful it was. BH. 3, 1—4. 

Auch die Einteilung der Vögel in sefowle und seidfowle 19,4, 
welche den geistlic hen Stand bilden, und fowlis of reif 51,6, welche 
den w^lichen_Stand ausmachen, scheint Chaucer's Einteilung in 
watir foule FF, 321, foule, that lyveth by seede 328 und fowles of 
ravyne 323 entnommen zu seih. Darauf macht schon Laing, 
Anm. zu 19,4, aufmerksam. 

Dass der Dichter das PF. gekannt und benutzt hat, ist 
ferner daraus ersichtlich, dass er sich in der Aufz ählung der -^^"'^«^-'^^^^^^-^^f^ 
Vögel in einigen Pun kten an Chaucer angeschlossen hat, wenn /*^^-*>^*>^-<*^ 
Äuch Thomson nicht ganz Recht hat, wenn er a. a. 0. sagt, 
dass t?ie catalogue of birds eine Nach ahmung- Chaucer's ist. Im 
BH. werden Vögel gena nnt, die sich bei Chaucer nicht finden, 
und andererseits führt unser Denkmal nicht al le diejen igen auf, die 

*) Für thir bei Laing ist wohl thar einzuführen. 



— 13 — 

sich im PF. finden. Nur bei der Aufz ählung der Nameji der 
Raujpvögel scheint Holland — der Verfasser nennt sich im letzten 
Verse seines Gedichtes — das PF. direkt als Yüdage benutzt zu 
haben, denn er hat hier nicht nur dieselben Art en, was ja allein 
noch nicht viel beweist, sondern auch die Reihe nfolge ist bei 
ihm fast dieselbe wie bei Chaucer. Auch er führt erst den Königs- 
adler an, dann Adler etwas niedr igeren Rang es, darauf fdlconiSy 
goishalMs, aparhnlMs, BH. Str. 35 und 36, womit PF. 330—338 zu 
vergleichen ist. 

Ferner entnimmt Holland bei der Beschreibung dieser VögeK 
einige Züge dem Gedichte Chaucers. Aehnlich wie dieser V. 331 
von dem Königsadler sagt that wiih his shurpe looke perseth the 
Sonne heiss t^ es bei Holland 25,3 ff.: Eimes . . ., quhilh . . .perses the < 
sone with thar sieht. Auch bei Holland heisst es 25,7 von den. 
Falken, dass sie gentüly in bewte haboundis, wie auch Chaucer dem 
faucon V. 337 das Attribut gentil beile gt. ^ 

Anklänge an das P^. finden sich noch in dieser Beziehung * 
BH. 18,5, wo der Sperling Sparrowe Wenus genannt wird, was an 
PF. 351 The sparow, Venus' sone erinnert, femer vielleicht darin, 
^ dass unser Dichter gera de den Pfau zum Papst der Vögel ge- 
macht hat, von dem es PF. 356 heisst: The pecoJc, withhis aungels 
feth^rs bryghte. 

Jedoch hat sich der Verfasser von BH. in der Charakteristik 
der Vögel durchaus nicht an Chaucer angeschlossen. Holland macht 
seine Vögel zu TlÜgern kirchlicher oder weltlicher Würden und 
Ämter, so ist der Pfau Papst, die Fasanen sind Patriarchen, die 
Kraniche Cardinäle, Schwäne Bischöfe, die Seemöven Mönche, 
^ I ^ä hen und Dohlen sind arme fratres, der Hahn ist chauntour, der 
Rabe dene rurale u. s. w., der Adler ist athill emperour our all^ 
die ernes sind Könige, die geir-falconnis Herzöge, der falcone ist 
ein Graf und Marschall des Kaisers, gois-halkis sind die ]Ptthrer 
des grossen Hee res, andere Raubvögel sind tapfere Ritter. 

Die gute Gelegenheit bei der Bera tung über die Hilfe, O 
welche der Eule auf ihre Klage geleistet werden soll, jeden Vogel 
in für ihn charakteristischer Weise sich aussprechen zu lassen, wie 
das Chaucer in seinem Werke in so schöner und poetischer Weise 
thut, lässt unser Dichter vollständig vorübergehen. 

Abgesehen von den oben angeführten Einzelheiten sind es 
besonders folgende Züge, welche Holland dem PF. entlehnt hat, 



— 14 ~ 

nämlich der Gedanke, Vögel sich zu Beratungen vereinigen zu 
lassen und die Personification der Natur. 

Was nun den .Gedanken angeht, Vögel in grösseren Ver- 
sammlungen reden zu lassen, so weist allerdings ten Brink, Chaucer- 
Studien, p. 124, darauf hin, dass er der mittelalterlichen Dichtung 
sehr jj'eläufig war, und man könnte annehmen, dass Holland viel- 
leicht auch ohne Einfluss Chaucer's auf ihn gekommen wäre. 
Aber bei den mancherlei Ähnlichkeiten, die unser Gedicht mit dem 
PF. hat, können wir nicht umhin, auch hierin eine Nachahmung 
Chaucer's zu sehen. 

Über die Personification der Natur iUissert sich schon 
Thomson a. a. O. : The 'personification of Natur e , , . is so little 
suited to the Situation in ichich it Stands, as cteorly shews it to 
have heen an exotic^ transplanted from a much more poetical soil. 

Die Göttin Natur ist im BH. nichts als ein deus ex machi- 
nä. Sie kommt auf gemeinsame Bitte der geistlichen und welt- 
lichen Stände vom Himmel herab und verschafft der Eule, welche 
sich über ihre Häßl ichkeit feek;l agt hat, ein neues Gewand, das- 
sie ihr wieder nimmt, nachdem diese oh ihrer Schönheit stolz und 
übermütig geworden ist. Der Dichter hätte Papst, Kaiser und 
Stände um so eher mit der Macht ausstatten können, die Bitte 
der Eule auch ohne Zuhilfenahme der Göttin zu erfüllen, als auch 
in der Fabel, der Holland seinen Stoff entnahm, der Adler es ist, 
der den Vögeln befiehlt, der Eule von ihren Federn zu geben. 

Aber, da Holland die Göttin Natur im PF. findet, so will er 
sich auch die Gelegenheit nicht entgehen lassen, durch Herttber- 
nahme dieser Figur sein Gedicht dem Chaucer'schen ähnlich er- 
scheinen zu lassen. 

Es ist jedoch nur die Einkleidung des Stoffes, welche der 
Dichter von Chaucer entlehnt hat. In der eigentlichen Behand- 
lung ist er durchaus originell. Aus einer Betrachtung des Inhalts 
ergiebt sich leicht, dass es ihm viel mehr darauf ankommt, das 
Lob der Familie Douglas, welches er in gekünstelter Weise, aber 
in grosser Ausführlichkeit in sein eigentliches Thema einfügt, zu 
verkünden, als in Chaucer'scher Art eine Versammlung von Vögeln 
in charakteristischer Weise zu schildern. 

Wenn aber das Buch von der Eule sich einer gewissen Be- 
rühmtheit zu erfreuen hatte, so hat es dieselbe gewiss ganz beson- 
ders der erborgten Einkleidung zu verdanken gehabt 



— 15 — 

IV. Verfasser und Stil. 

Als Verfasser nennt sich im letzten Verse des Gedichtes 
Holland. Laing in der Vorrede zu seiner Ausgabe, p. VIII 
und IX, macht es wahrscheinlich, dass unser Dichter identisch ist 
mit Sir Richard Holland, der in einer Parlamentsakte von 1482 
als Anhänger der Familie Douglas genannt und von der Amnestie 
ausgeschlossen wird, welche denen zugesichert wurde, welche die 
Sache James' von Douglas aufgäben und sich dem Könige an- 
schlössen. Der Titel &V deutet darauf, dass Holland ein Priester 
war (vgl. Laing, a. a. 0. p. IX, Anm.) 

Aus einer genaueren Betrachtung des Buches von der Eule 
scheint sich nun ebenfalls zu ergeben, dass der Verfasser dem 
geistlichen Stande angehörte. Dafür spricht der moralisierende 
Ton gegen Ende des Gedichtes, der Str. 76 durchaus in den einer 
Predigt übergeht ; an mehreren Stellen verrät der Dichter Kenntnis 
der Bibel: 18, 10; 63, 7; 72, 11 ff. 

Dagegen würde vielleicht sprechen, wenn Brandl Recht 
hätte, der im| Grundriss für germanische Philologie, II. Bd. p. 715, 
behauptet, dass das Gedicht ungenierte Satiren auf Papst und Geist- 
lichkeit enthalte. Ich habe jedoch nichts gefunden, was in diesem 
Sinne gedeutet werden könnte, und nur an einer Stelle, nämlich 
17,7 f., finden sich zwei Verse, die vielleicht in satirischem Sinne 
aufgefasst werden könnten: 

The Bavyne, rolpand rudly in a roch ran. 
Was dene rurale to reid, rank as a raike. 

Aber auch diese sind doch nur ziemlich harmloser Natur. 

In 75,9: ye princis, prelattis of pryde for penneis and 
prowe ist prelattis wohl zu streichen, da der Vers durch dieses 
Wort 3 Hebungen erhält, und übrigens auch nur das 2. Manuscript 
diese Lesart hat. 

Dagegen kann der Dichter nicht genug schmückende Bei- 
* Wörter finden, um Papst, Patriarchen, Cardinälen, Bischöfen und 
anderen kirchlichen Würdenträgern die Fülle seines Lobes zu 
spenden, wozu Strophen 7, 13, 14 zu vergleichen sind. 

Es wäre das ein Beweis mehr dafür, dass der Verfasser des 
Buches von der Eule identisch ist mit jenem in der Parlaments- 
akte erwähnten Sir Richard Holland. 

Widersprechen würde dieser Annahme der Identität mit 
Sir Richard Holland ferner, wenn Brandl a. a. 0. darin Recht 



— 16 — 

hätte, dass er sagt, das Gedicht sei „ein deutlicher Angriff auf das 
Haus Douglas, welches eine Weile mächtiger schier als der König 
1450—5 endlich vom Adel gestürzt wurde". Gegen diese Behaup- 
tung aber sprechen die zahlreichen Stellen, in denen er das Lob 
dieser berühmten Familie verkündet. Hätte er die Douglas an- 
greifen wollen, 80 hätte er nicht von ihrem Namen sagen können: 

That word is so wonder warm, and euer yit was, 

It sinkis sone in all pari 

Of a trewe Scottis hart^ 

Ecjosand us imoart 

To heir of Douglas, Str. 30,9—13. 

Und nicht nur die Douglas der alten Zeit preist er, auch 
diejenigen Glieder der Familie, die zur Zeit der Abfassung des 
Gedichtes derselben noch angehören, weiden als tapfere, preisens- 
werte Männer hervorgehoben. 

Und wenn Holland sein Gedicht for ane dovoe of Dunbar, 
dowit with ane Douglas 77,1 f. verfasst hat, so ist es doch gewiss 
unmöglich anzunehmen, dass er mit seinem Werke diejenige Familie 
hätte angreifen wollen, der die Gräfin von Dunbar durch ihre 
Heirat doch jetzt selbst angehörte. 

Die poetische Begabung Hollands muss von seinen Zeitge- 
nossen geschätzt worden sein, denn Henry the Minstrel bezieht sich in 
seinem Epos Wallace, X J30, auf das Buch von der Eule und 
auch in späterer Zeit sprechen Dunbar im Lament for the 
Deth of the Makkaris und David Lyndsay im Prolog zu the Complaynt 
of the Papingo (aus Irving, p. 167^ mit Verehrung von ihm. Die Ansichten 
der neueren Herausgeber und Litterarhistoriker über den Wert des 
Gedichtes gehen auseinander. Laing sagt in der Vorrede zu 
seiner Ausgabe p. XVI f. : Although the details are occasionally 
amusing, it is still confessedly a dull Performance, exhihiting 
neither in conception nor execution any extraordinary degree 
of poetical talent. Bat dull as the poem generally may he, there 
is a redeeming heaiity in the episode of James, Lord of Douglas; 
and it might he difficult to point out any similar passage in our 
poetical w riters, in which animated description is comhined ivith 
so much tcnderness and feeling. 

Irving spricht sich p. 165 seiner History of Scotish Poetry 
folgendermassen aus : Hollandes Howlat is composed in th^ same 
stanza as the romances ascrihed to Sir Hugh Eglintoun, and it 



— 17 

exhihits the same conspicuous mixture of alUterative verse; it 
however displays a much smaller poHion of energy, and lipon thß 
ivhole can onhj le cotisidered as a tedious xurformance. 

In mehr lobender Weise spricht sich Brandl a. a. 0. aus. 

Es hat dem Dichter sicher nicht an poetischer Gestaltungskraft 
gemangelt. So zeichnen sich ausser der Episode, in welcher der 
Zug von James Douglas nach dem heiligen Lande und seine 
Kämpfe mit den Sarazenen geschildert werden, noch die Beschrei- 
bung des Gastmahls durch Humor und zuweilen etwas derbe Komik 
aus, die Betrachtung der Eule, nachdem sie für ihren Hochmut 
bestraft worden ist, durch warme und zu Herzen gehende Sprache. 
Auch Freude an der Natur und Geschick dieser Empfindung rechten 
Ausdruck zu geben, kann man dem Dichter nicht absprechen. 

Doch hat es der Verfasser gar nicht verstanden, seinen 
Stoff einheitlich zu gestalten. Sogar einen begeisterten 
Hymnus auf die heilige Jungfrau weiss er einzufügen. Das 
Lob auf die Familie Douglas, das einen so breiten Raum ein- 
nimmt, ist ohne allen Zusammenhang mit dem sonstigen Gang 
der Erzählung, und W. Scott urteilt darüber p. XXII der Vor- 
rede zu Laing's Ausgabe: The praises of the Douglasses are in- 
troduced in ati inartificial manner; hui such digressions are not 
uncommon in the authors of a rüde age. 

Seine Sprache ist verhältnismässig klar und meistens leicht 
verständlich. Jedoch darf man sich nicht wundern, wenn der 
doppelte Zwang der Alliteration und des Reimes zuweilen zu 
Unklarheiten, zu Häufimg von Wörtern und zu Flickversen ge- 
führt hat. Im Ganzen und Grossen trägt unser Denkmal in 
Bezug auf den Stil den allgemeinen Charakter der mittelenglischen 
Spielmannsdichtung an sich, wie er von Zielke, Orfeo p. 6 ff., 
näher dargestellt ist. Auch er wendet eine Menge von formelhaften 
Ausdrücken an, die meistens nur zur Ausfüllung des Verses dienen 
sollen, zum Verständnis des Ganzen weniger beitragen. In dieser 
Beziehung verfügt der Dichter über einen reichen Schatz von 
Phrasen und Wörtern, und direkte Wiederholungen, welche doch 
bei solchen Ausdrücken sehr leicht vorkommen können, finden sich 
fast gar nicht. So wendet er folgende Redensarten an, um die 
Wahrheit dessen, was er erzählt, zu versichern: in leid nocht to 
layne it 21,7; 56,7; gif I rieht newyne 56,1; quha th^ suth leris 
28,5; quha the ncht l'neice S4,Q ; t?i£ ric?it quha recordis blfi;icitye 



— 18 — 

tut wene 30,5; tcU ye*) hut iveir 45,4; forauth I assure Al^b; to 
reid as efferis 12,3; treidy to teil it 39,7; for io teil trewe 41,3; 
suthly to say 52,8; but les 18,3; hut fahle 51,1; hut weir 51,10. 
Folgende Redensarten gebraucht der Dichter, um auszu- 
drücken, dass er in einer Beschreibung oder Aufzählung nicht 
fortfahren will, weil ihn das zu weit führen würde: 

Bot all thar names to nevyn as now it nocht neid is 3,7; 
Quhat 8uld I tel ony mair of thir materis 12,1; It was tyrefull 
to teil, dyte, or address all thar deir armys in dewly desyre 33,6; 
Now gif I sali schewe the Order of thar armis, it war to teil teir 
45,5 u. 6; I pres nocht all to report 54,3; It neidis nocht to re- 
newe all thar naturis 55,6. 

Diejenigen Leser, welche etwas Näheres über den Gegen- 
stand wissen wollen, verweist er in diesem Falle einige Male, wo 
es sich um Wappenkunde und -Geschichte handelt, an Herolde: 

Thar lois and thar lordschipe of sa lang dait 

That hene cot armouris of eld 

Tharin to harrald I held 33,9—11. 

The harris of hest gold that thai hale hiewe, 

It suld US occupy all day; thar for I end heir^ 

Eeferris me to harraldis to teil yoio the hale, 45,7 — 9. 

Quhat feie armes on loft .... 

The Said persevant hure .... 

I leif thaim hlasonde to he icith harraldis hende 49.3 — 7. 

Auch auf specielle Werke verweist er einmal seine Leser in 
diesem Falle: 

Beid the icrit of thar werk to your witness 31,5. 
Geht er wieder zu seinem eigentlichen Thenia über, so 
leitet er diese Fortsetzung mit folgenden Wendungen ein: 
Thar for in haist will I hens to the purpos 3,12 f. 
Fürth on my matir to muse I mufe as I may 31,6 
And I will to my first mater, as I eir maid 49,8. 
Auf Kommendes macht der Dichter aufmerksam mit 
as ye heir sali 19, 13; and ye sali heir in schart space 24,11; 
as sal he said to thow heir into schoH sawis 34,12 f; 
auf vorhergehende Stellen in seinem Gedichte mit 
as I eir tauld 23,1; tJtat I said eir 43,4; as I eir demyt 54,1. 
Er verweist auf andere Werke: as we reid 37,6; we reid 
42,1; as tellis the icrit 39,13; as we fynd 44,8. 



*) P'ür the bei Laing ist ye einzuführen. 



— 19 — 

Vergleiche wendet er nur selten an : girs gay as the göld 3,2; my 
neb ü netheritas anök 5,5; Idrowpeasadoule b,l\rai\k ns a raü'e 17,8; 
with harris of best göld ü brynt as the fyr 33,2 ; to icalk and to iVard • 
as icatchis in weir 48,8 ; thai had songin and playit, as of paradys 
it a poynt war 60,1 f ; brym as a bair 60,8; The barde smaddit 
lyl'e a smailc smorii in a smedy 64,6. 

Ausserordentlich zahlreich sind die Verbindungen von zwei 
synonymen, in den allermeisten Fällen alliterierenden Wörtern, die 
gewöhnlich für einen Begriff stehen: fallowe or feir 1,11; resting 
or ruf 2,1; loime and le 2,5; lyMng and luf 2,5; our los and our 
lyhing 30,8; with loving aud lois 44,9; icith lyl'ing and lyst 59,1 ; 
pratisand and prunyeand 2,8; sel'erly and sure 2,9; 7,7; mendis 
and inedicyne 3,3; prolixt and lang 3,8; pastour and xmpe 7,2; 
precious and pure 7,3; 9,5; mansicet aud inure 7,6; to yoicte and 
to yowle 8,11; withoutin caus or crym 9,4; in hous and in hall 
11,12; but fellony or feid 13,9; stable and stedfast J4.5; tender 
and trewe 14,5; 31,13; manerit and meiJce 19,6; frely and fair 
24,9; but baret or boist 26,7; cumly and cleir 26,13; active and 
awenant 27,12; barmelcyn and bar SO J; gudly and gay 31,9; burly 
and beld 32,3; heirly and hie 32,8; closit and cast 35,12; worthy 
and wicht 40,6; toioris and toionis 43,4; with rent and with rich^s 
43,8; 73,1; blyth, blomand and bricht 43,10; burly and bone 46,3; 
gudly and glad 49,4; awenand and able 51,3; nieikly and myth 
54,4; stallwart and styth 54,8; succour and solf 56,5; so hie and 
so haltane 71,13; cairful and caytif 75,4. 

V. Zeit der Abfassung. 

Laing stellt in der Vorrede zu seiner Ausgabe, p. VI, die 
Beiiauptung auf, das Gedicht sei im Jahre 1453 abgefasst worden, 
weil um diese Zeit vollkommener Friede zwischen der Familie 
Douglas und James U. von Schottland bestanden habe. Wäre es 
1452 entstanden, so hätte der Dichter als begeisterter Anhänger 
der Douglas nicht die Gelegenheit vorübergehen lassen, den Tod 
William's, des 8. Grafen, der am 21. Februar 1452 vom König er- 
mordet worden war, zu beklagen und sich in Schmähungen über 
den Mörder zu ergehen. Vor 1452 will er das Denkmal nicht 
setzen, denn in diesem Falle, so führt er in einer Anmerkung zu 
Str. 32, p. 7 des Anhangs, aus, the author most assuredly would 
not have limited the green-tree of Douglas to four branches; and 
it would have been a most inexcusable oversight in Holland, when 



— 20 — 

(lescrihing the members of that famüy, to which he appears to 
have heen so mach attached, and mentioning the younger hrothers 
, so particularly, had he passed over in silence the second brotlur, 
and the presumptive heir of succession to the earldom. 

Zur Erläuterung diene, dass James, der 7. Graf von Douglas, 
6 oder vielleicht 7 Söhne hatte, von denen die beiden ältesten, 
William und James, nacheinander regierende Grafen von Douglas 
waren. Ausser ihnen sind noch bekannt Archibald, der die Gräfin 
von Moray, welcher unser Gedicht gewidmet ist, heiratete, Hugh, 
Earl of Ormonde und John, Lord of Balveny. 

Dagegen wird im Dictionary of National Biography, Bd. 27, 
154 (unter „Holland") das Gedicht zwischen 1442 und 1452 gesetzt, 
denn die Heirat Archibalds mit der Gräfin von Moray fand 1442 
statt und 1452 begann der Ruhm und der Einfluss der Familie 
Douglas zu sinken, and it was evidently icritten during the ascen- 
dency of the Doiiglases. 

Auch auf mich hat das Gedicht den Eindruck gemacht, als 
ob es nicht nach 1452 geschrieben sein könnte, sondern noch in 
die Zeit des Glanzes des mächtigen Hauses zu setzen sei. Dafür 
sprechen Str. 30, 1 ff: Ntxt the scvtrane signe was selirhj sene, 
that strvit his serenite ever servalle^ the armes of the Douglas, 
woraus sich ergiebt, dass die Douglas noch ihre einflussreiche 
Stellung, die ihnen nächst dem Könige den höchsten Rang im 
Lande gab, inne hatten, und dass ein Bruch mit dem Könige noch 
nicht eingetreten w\ir, und Str. 47, 10 — 13; and ilk scheid in that 
place thar tennend or man was, or ellis thar allyas at thar awin 
lüill. Eine rechte Versöhnung zwischen dem Könige und der Fa- 
milie der Douglas war aber nach der grausigen That von 1452 
nicht zu Stande gekommen, die Macht der Douglas war arg ge- 
schwächt worden und keinesfalls hätte Holland von ihnen sagen 
können: that seroit his serenite ever servable, nachdem im Jahro 
1452, veranlasst durch die Ermordung William's, ein offener Kampf 
zwischen dem Könige und der Familie der Douglas stattgefunden 
hatte, aus dem diese nur mit erheblicher Schwächung ihrer Macht 
hervorging. 

Wenn ich nun auch im Dict. of Nat. Biogr. XV 308 finde, 
dass 1452 die Würde des Grafen von Moray Sir James Crichton 
übertragen wurde, a dignity from which Ä« had been unjusthj l'ept^ 
/or he had married the eider daughter of th£ last earl, but the 
infltiencc of Douglas had procured it for his brother Archibald^ 
the husband of her younger sister, so scheint auch dieser Umstand 



— 21 — 

für die Abfassung vor 1452 zu sprechen, denn in unserem Gedicht 
wird noch Archibald als Graf von Moray angeführt. Jedoch ist 
wohl anzunehmen, dass man neben James Crichton auch Archi- 
bald in seiner Würde belassen hat, denn in dem Briefe James JI. 
i\n Karl VII. von Frankreich vom 8. Juli 1455 (bei Pinkerton, 
The History of Scotland I 486^ nennt der König Archibald noch 
comes Mcraviae und giebt als Grund dafür, dass die Güter des 
Grafen eingezogen wurden, an, dass dieser Lochindore und Tar- 
naw\ny, den Sitz der Grafen von Moray, befestigt habe: quod 
commisisset proditoriam traditionem in munitione et fortificaiione 
castrorinn de Lochindore et Tarnan. contra regem et leges et sta- 
tuta regni. 

Es bliebe dann zu erklären, warum der Dichter bei Schil- 
derung des Wappens der Douglas nur von vier Zweigen spricht 
und das Wappen James' von Douglas unerwähnt lässt. Nun wTd aber 
im allgemeinen gar nicht von den verschiedenen Gliedern des 
Hauses gesprochen, sondern es werden, nachdem das allgemeine 
Wappen der Douglas ausführlich beschrieben und seine Geschichte 
erzählt ist, noch die Wappen der Grafen von Moray, von Ormonde 
und des Lord von Balveny nur aus dem Grunde noch namentlich 
aufgeführt, weil diese auser den Emblemen ihres Familienwappens 
noch besondere Kennzeichen ihrer neuen Würden in ihren Wappen 
trugen. Da aber die Ehe William's, des regierenden Grafen 
(1443—52), kinderlos blieb, so bedurfte es für James, welcher nun 
der mutmassliche Nachfolger war, keiner besonderen Erwähnung, 
und das Familienwappen galt ohne difftrens auch für ihn. Der 
Dichter spricht eben nur von Wappen, nicht von einzelnen Per- 
sonen. Dass James zu Lebzeiten seines Bruders William über- 
haupt nicht im Besitze eines Wappens gewesen sei, ist nicht an- 
zunehmen, da er in Urkunden James of Heriotmuir genannt wird. 

Wäre diese Erklärung richtig, so würde die Abfassung des 
Gedichtes aus folgendem Grunde vielleicht zwischen 1450 und 52 
zu setzen sein: James und Archibald waren Zwillingsbrüder, und 
es 'svurde zum Zweck der Regelung der Nachfolge die Frage er- 
hohen, wer von beiden der ältere sei. Auf das Zeugnis ihrer 
Mutter wurde am 9. Januar 1450 James die Priorität zuerkannt. 

Ausserdem findet sich bei alten schottischen Geschichts- 
schreibern die Notiz, und auch von Laing wird p. V der Vorrede 
angeführt, dass James für den geistlichen Stand erzogen w^orden 
war. Damit Hesse sich ja vielleicht auch der Umstand erklären, 
dass er gar nicht erwähnt wird. Da diese Thatsache aber von den 



— 22 — 

neueren Historikern und auch schon von Pinkerton bezweifelt wird, 
so lege ich darauf kein weiteres Gewicht. 

Von grosser Wichtigkeit für die Bestimmung der Abfassungs- 
zeit scheint mir auch Str. 48,3—8. Nachdem der Dichter mit der 
Beschreibung der vier Wappen der Douglas zu Ende gekommen ist, 
fährt er fort: 

Änd als l'epit ilk armes that I said eir, 
The rouch Wodwys loyld, that hastounis bare, 
Ourgrowin grysly and groive grym in effeir; 
Mair awfull in all thing saw I never air 
Baith to loalk and to ward, as watchis in iveir. 

Also: Dasselbe Wappen, von dem ich vorher sprach, besass 
auch der rohe, wilde Faun (so übersetzt Jamieson loodwys; Strat- 
mann-Bradley führt eine Form wodewose an), von dem er dann 
nicht genug Böses berichten kann. Sein Anblick erschreckt ihn 
so, dass es dem Dichter unmöglich ist, alle anderen Wappen, die 
noch dem Kaiser vorangetragen werden, zu schildern. Aus den 
W^orten that hastounis bare geht hervor, dass er dieser Person den 
Vorwurf der illegitimen Geburt macht. Sicher ist mit diesem 
wodwys ein unehelicher Spross des Hauses Douglas gemeint, 
welcher zu denjenigen Gliedern der Familie, deren Anhänger 
Holland war, in einem feindlichen Verhältnis stand. Wer ist nun 
dieser icodwys? Die Herausgeber und Litterarhistoriker scheinen 
diese Strophe vollständig übersehen zu haben, wenigstens finde ich 
nirgends eine Erwähnung derselben. Leider stehen mir nun nicht 
Geschichlswerke, wie Hume of Godscroft's History of the Houses 
of Douglas and Angus und W. Fraser's Douglas-Book zur Ver- 
fügung, welche vielleicht die Lösung dieser Frage ermöglichten. 
Ich kann nur vermuten, dass damit James ÜI., 1437 — 52 Graf 
von Angus, gemeint ist, dessen Grossvater Georg, der erste Graf 
von Angus, ein illegitimer Sohn William's, des ersten Grafen von 
Douglas, war. Zu seiner Zeit zeigen sich schon Spuren der 
Feindschaft zwischen diesen beiden mächtigen Häusern (cf. Dict. 
of Nat. ßiogr. XV 361 oben), die dem Hause Douglas später so 
verderblich werden sollte. Die Beweise dafür sind allerdings nur 
gering, aber es ist wohl kaum anzunehmen, dass Georg IV. von 
Angus, der Nachfolger des eben erwähnten James, sich beim Streit 
zwischen dem König und den Douglas, seinen Verwandten, sofort 
auf die Seite des ersteren gestellt hätte, wenn nicht schon vorher 
Feindschaft zwischen den beiden Häusern bestanden hätte. 



— 23 — 

Ich wage nicht, meine Ansicht als gesichert hinzustellen, 
und es muss mir vorläufig genügen, auf diesen Punkt hingewiesen 
zu hahen. 

VI. Ist das Gedicht eine Satire oder nur eine 

moralische Allegorie? 

Der erste Herausgeber des Buches von der Eule, Pinkerton, 
fasste das Gedicht als eine Satire auf König James II. von Schott- 
land auf. Dass aber seine Behauptung sich auf eine fiilsche Lesart 
stützt, und sich auch sonst nichts als Beweis dafür vorbringen 
lässt, vielmehr vieles derselben widerspricht, haben schon Laing 
und Walter Scott in der Vorrede zu des ersteren Ausgabe nach- 
gewiesen. Auch führt schon Laing a. a. 0. eine Stelle aus dem 
Wallace an, die sich auf unser Denkmal bezieht, und aus welcher 
sich ergiebt, dass auch die Zeitgenossen Hollands das Gedicht als 
nothing more than a moral fable ansahen und nicht als eine poli- 
tische Satire. In der neuesten Zeit nun bezeichnet Brandl, 
Grundr. f. germ. Phil. II, 715, das Gedicht als eine politische 
Tierallegorie, die eine Satire auf das Haus Douglas enthalte. Ich 
glaube jedoch schon im Vorhergehenden nachgewiesen zu haben, 
dass diese Ansicht irrig ist. Man geht gewiss nicht fehl, wenn 
man Scott Recht giebt und das Ganze als eine blosse Warnung 
gegen Stolz und Hochmut, auf die notwendig die beschämende 
Demütigung folgt, betrachtet. 

Die am Schlüsse ausgesprochene allgemeine Moral, die, wie 
schon oben gezeigt worden ist, sich durchaus an die Moral der 
dem Dichter vorliegenden Fabel anschliesst, kann nicht gut an 
das Ende einer politischen Allegorie gehören, und macht es somit 
höchst unw^ahrscheinlich, dass Holland die Absicht gehabt hätte, 
in seinem Gedichte eine solche zu geben. 

Wenn aber der Verfasser des Artikels ^Bichard Holland" 
im Dict. of Nat. Biogr. XXVII, p. 155 sagt, it ts impossible, not 
to suspect smne personal allii^ion hesides tke general satire on 
pride, so mag er damit nicht unrecht haben, und es kann wohl 
möglich sein, dass dem Dichter die Person jenes wodicys^ von 
welchem Str. 48 die Rede ist, vorgeschwebt habe. Als illegitimer 
Spross hat er all die Ehre, die hohe Geburt in den Augen der 
Menschen verleiht, der Familie zn verdanken, die ihn als ihr 
Mitglied anerkennt. Er macht sich in doppeltem Masse der Un- 
dankbarkeit und des Hochmuts schuldig, wenn er in eitlem Stolze 
feindselig gegen sie auftritt. 



- 24 — 

Jedoch wage ich auch in dieser Frage nicht, mich hestimmt 
zu entscheiden. 

VII. Grammatik. 
1. Lautlehre. 

a) YOCALE. 

Ae. a vor n bleibt a, ausser in mony, das aber nie im Reime 
vorkommt. Ein beweisender Reim ist: hensman: ran reimend 
mit wran (ne. wren, ae. wrauina) 50, 10. 

Ebenso bleibt a vor nd: hand :land: mnd r. m. garland 61,2; 
fand: ScoÜand r. m. ccimnand 38,4; sand r. m. cunnand 16.13. 
Für die Beweiskräftigkeit des letzten Reimes vgl. Brandl, Ein- 
leitung zum Thomas of Erceldoune, p. 52, und Schleien, Einl. zum 
Ywain and Gawain p. V. 

Ae. a + g wurde zu aw: sawis pl. (ae. sagu) r. m. caiis 19,12. 

Sonst ist ae. a unverändert geblieben und giebt zu keiner 
Bemerkung Anlass. 

Ae. a) erscheint: 

1) als a (auch in der Schreibung ai): uas r. m. grace, space 
3,4; haife r. m. laif (ae. laf), saif, conclaif 10,1; graif r. m. laif, 
saif^ 35,2; bare praet. r. m. air (ae. är, ier) 48,5; glad r. m. 
hraid^ 49,4. 

2) als e nur einmal im Reime zu we» (allerdings was ge- 
schrieben) r. m. ges, address 33,1. 

Auch K()lbing, Einl. zum Sir Tristrem, p. 62, hat nur dieses 
"Wort als Beleg dafür, dass in diesem Denkmal sc zu e werden konnte. 

Von ai + g wird erst weiter unten die Rede sein. 

Ae. ä tritt meistens als a (auch ai geschr.^ auf : grap (ae. 
gräpian) r. m. pape, cape 7,8; laif Cae. liif) r. m. saif\ conclaif 
10,5, r. m. graif, gaif 35,4; ilkane : gane r. m. tane parte. 12,4; 
lard (ae. hlaford) r. m. yard 15,11; ivait r. m dait (datum) 33,13; 
hraid r.m. maid praet. 49,2; lair (ae. lär) r. m. hair praet. 70,8. 

Jedoch finden sich auch einige Beispiele für die Wandlung 
des ä in o: sore : mor r. m. befor 41,4; lord r. m. remord, restord 
41,10; lordis r. m. recordis 51,2. 

Zu e ist ae. a geworden in der Compositionssilbe hed (ae. 
häd) : fairhed : Godhed r. m. meid, breid 1,6. 

ä -|- g und ä -|- w ergeben au : aicne : hiaiuin r. m. drawin 
73,2; rawis pl. (ae. raw) r. m. caus 19,10. 

Ae. ai, das ahd. ä, got. 6 entspricht, erscheint in sicheren 
Reimen 



9 



o 



1) als a (auch ai geschr.) : thar (ae. })er) : hair (ae. hier> 
r. m. dar (an. dtlri), mair 15,2 ; war (ae. w^ere conj.j r. in. halt 
(ae. här), hair (ae. bär) 60,2; quhar i*. m. Zes/ör 29,11. 

2) als e (auch ei geschr.^ : meid fae. mi'ed) r. m. fairhed. 
Godhed 1,2: seidis (ae. sa?d) r. ni. Vieidis 3,5; iceidis r. m. feidis 
18. 1; r. m. succedis 43,9; speike (ae. spraye) r. ra. e/Ä*, 5^/^', we/Ä*<i 
19,8; d7*€2d r. m. speid, leid 23,8. 

Auch, wenn Bedingung zum Umlaut vorhanden ist, erscheint 
dieses ai als e: deidis r. m. leidis, feidis J8,5. 

3) In einem allerdings zweifelhaften Falle erscheint thore 
41,6 r. m. hefor. Es ist fraglich, ob die Stelle ursprünglich in 
2)ane thm'e lautete. Auch wäre in diesem Falle wohl die ae. Form 
J)är als Grundwort anzunehmen, die schon ae. neben \){^r vorkommt. 
Vgl. Schleich, Einl. zu Yw. a. Gaw. p. VII. 

Ae. ie aus ä mit Bedingung zum Umlaut erscheint 

1) als a: maist r. m. cast 35,10; air (ae. ler) 48,7 r. m. 
iare praet.; lui'an (ae. wrienna) 50,12. Bei mast und air ist wohl 
Ableitung aus den ae. Nebenformen mcUt und dr anzunehmen. 

2) als e: ment: lent r. m. sent 1,1; hreid r. m. meid, God- 
hed 1,4; hreidis r. m. ntidis 3,1; feid (ae. ftehjju) r. m. deid 5,9; 
leidis (präs. von Igedan) r. m. feidis 18,3; unhele r. m. appele, 
feile, weJe 20,7; nevertheles r. m. ges, address 33,7; eir (ler) r. m. 
here inf. 48,4. 

3) als o: most r. m. cost^ oist 26,3; or (hur im Versinneren), 
das als Präpos. und Conjunction verwandt wird, während eir und 
«ir Adverbia sind. Vgl. Schleich, Einl. zu Yw. a. Gaw. p. VIII. Eben- 
falls nur aus dem Versinneren ist ony zu belegen. Alle diese 
Wörter hatten schon im Ae. Nebenformen mit ä, und wir werden 
wohl von diesen als den eigentlichen Grundformen auszugehen 
haben. Vielleicht ist für ony auch Analogiewirkung von mony 
anzunehmen. 

Nichtwests. te = ws. ie aus ea vor Id mit i-üml. ergiebt e: 
eJd (ieldu, ws. ieldu) r. m. ftld 46,9. 

Ae. e bleibt e ; ebenso nichtwestsächsisches e = ws. ie : 
schuld r. m. feld 32,1. 

In einem Falle ergiebt ae. e + g i ^ holyne (ae. holegn) r. m. 
gowlyne 4,9. Von der Monophthongisierung der sonst im Me. als 
ei auftretenden Fortsetzung von e + g wird weiter unten die 
Rede sein. 

Auch afrz. e bleibt. Nur ryng (r^gner nfz.) r. m. thing 
h'ng 37,6. 



— 26 — 

Aehnlich ist au. e zu i (y geschr.) geworden in hyng (an^ 
hengja) r. m. hing^ thing 37,8. 

Ae. e verschiedenen Ursprungs bleibt e. 

i und 1 verschiedener Herkunft behalten ihren ursprüng- 
lichen Laut. Eine Ausnahme macht nur tißhandis (an. tij)indi) r. 
m. standis, landia 11,5. 

57,11 findet sich ladye (ae. hliefdige) im Reime zu the 
(ae. ])e) und fre. Ich glaube, Unreinheit dieses Reimes annehmen 
zu müssen, „denn e reimt auch sonst auf y in Wörtern mit 
schwebender Betonung" (Buss, Anglia IX 498^. Ein solcher Reim 
konnte um so eher für rein angesehen werden, als die Schreibung 
ie oder ye für e am Ende der Wörter in schottischen Denkmälern 
sehr häufig ist. So findet sich in unserem Gedichte stets die 
Schreibung hye für he (ae. hßah). 

Ae. y, welches durch Uml. aus u entstanden ist, reimt mit 
altem i: fulfdl r. m. xoill^ ill, tili 36,7. 

Ebenso wird ae. y, der i-Uml. von ü, zu i : fyr r. m. attyr,, 
desyre 33,2; quhy r. m. cry, chevalry 37,12; hjth (ae. cy{)an) r. m. 
hlythy stith 54,6; hyde: jiryde r. m. cryd praet. 74,1,3. 

Ae. bleibt o und reimt mit sich, mit o aus ea vor Id, mit 
aus ae. .ie und ä, auch mit o, welches aus 6 vor Doppelconsonanz. 
durch Kürzung entstanden ist: fold r. m. behold 25,9; gold: fold 
r. m. behold 27,2,8; oft r. m. soft 59,9 (schon Orm hat soffte); 
befor r. m. thore, sore, mor 41,2. 

Ae. ö und u ergeben (abgesehen von dem Fall, wo 6 und a 
vor g, und u vor nd stehen) denselben Laut, der entweder o oder 
u geschrieben wird. So finden sich die Reime: hone: done: sone: 
abone 69,2; lufis: behufis 58,9; ruf ('ae. röw): a^uf: luf 2,1, 
Ueber die Aussprache dieses Lautes cf. Murray, Dialects of the- 
Southern Counties of Scotland, p. 51, Anm.; Nicol. Philol. Sog. 
Transact. 1877, p. VI; Morsbach, Urspr. der ne. Schriftspr. p. 186. 

Mit diesem Laute reimen auch die Fortsetzungen aus frz. u 
(lat. u) und frz. o vor Nasal (normann. u) und frz. o in offener Silbe, 
das gedehnt wird und auch sonst im Englischen dieselbe Entwicklung 
gehabt hat, wie ae. 6. Ich führe die beweisenden Reime aus unserem 
Denkmal an: natur: injur: bure praet. 71,10; ^ure; öwrc 2,9; {bure 
ist nach Analogie von for gebildet^; pure: mure: sure : füre 
(för ae.) 7,3; natur: pur: cur: bure 9,1; lide: duke 23,9; bront 
an. brundr): wont (ae. wuna): front: compt 13,2; dieselben germ. 
Wörter reimen mit front 38,10; approvit: movit: hovit: Zort* 29,1. 



— 27 — 

Ae. 6 + g. Aus ae. genog wird ynewe r. m. trewe, knewe 
14,7; aus Äo^r hewes pl. r. m. ä€ic€ä 69,13. 

Ae. u + g ^ird durch ou wiedergegeben: foule: owle 
(üle ae.) 5,3. 

Ebenso u vor nd; groiind is: foundis (ne. fundian) r. m. 
cround is: haboundis 25,1. 

Ae. ü wird durch ou oder ow wiedergegeben: townis r. m. 
persounis, procuraciounis 17,10; howr r. m. Jwnoiir, emperour 
25,12; owle r. m. foul, yoiote 5,5. Sollten dieses ou, ow und 
ebenso die Fortsetzungen von ae. u + g und u vor nd vielleicht 
einen diphthongischen Laut repräsentieren, der in der Mitte zwischen 
dem alten ü und der heutigen Fortsetzung dieses Lautes liegt? 

Afrz. u hat im Wortausgang eine andere Entwicklung 
gehabt als im Inlaut. Es wird in diesem Falle durch ew dar- 
gestellt: verteic: argewe r. m. hiewe praet. 21,4; dewe r. m. ytiewe, 
hieive 45,3. Cf. Nicol. Philol. Soc. Transact. 1877, p. VI. 

Afrz. 0, ou aus lat. 6 oder lat u in Position wird durch ou 
vertreten und reimt mit ou, ow, das sich aus germanischen Lauten 
entwickelt hat: emperour: honour r. m. hour 25,10; persounis: 
procuraciounis r. m. townis 17,11; cround is: haboundis r. m. 
(jround is^ foundis 25,3. 

Der Erklärung bedarf der Reim asure: honour: hure 28,10. 
Der Vokal in hure ist jedenfalls dem u aus ae. 6 gleichzusetzen, 
und so ist es eigentümlich, dass wir einen Vocal dazu im Keime 
finden, der sonst nur mit dem aus ae. ü entwickelten Laute ge- 
bunden wird. Nun können aber asure und honour als korrecte 
Reime aufgefasst werden (cf. Buss, a. a. 0. p. 500) und da asure: 
hure nach den Lautgesetzen unseres Denkmals nichts Auflfallendes 
hat, so würde asure die beiden fraglichen Wörter mit einander 
verbinden. Vielleicht ist aber auch für honour Betonung auf der 
1. Silbe anzunehmen (cf. Schleich, Einl. zu Yw. a. Gaw. p. XIJ, und 
wir werden weiter unten sehen, dass in betonten Silben, die im 
Reim stehen, die Qualität oft ausser Acht gelassen wird. 

Ich halte diese Stelle für die geeignetste, um, bevor ich zur 
Behandlung der alten Diphthonge übergehe, von jenen Lauten zu 
sprechen, die in den meisten me. Denkmälern als Diphthonge auf- 
gefasst werden müssen, hier aber als Monophthonge auftreten. 
Unser Gedicht hat mehrfach Reime, welche zeigen, das ai und eiV 
sowohl germ. als rom. Herkunft (ae. a3 -f ^, e -\- g, afrz. ai und 
an. et) zu a monophthongisiert sind. 



— 28 — 

1) Wörter germ. Ursprungs: fair (fteger) r. m. hair praet. 
2,2; r. m. air (^r) 48,1; r. ni. ivar (wferon) 24,9; r. m. quhar 
(hw^r) 43,1; r. m. lair (lär) 70,2. agatie r. ni. tane parte, ane 
€9,5. alis 3. sg. (ae. eglau) r. m. spiritualiSf bowalis 67,1. Die 
Reime von certane: baue (an. beinn) : gane (an. gegu) : fayne 
46,1 beweisen nur, dass ai und ei denselben Laut angenommen 
haben. 

2) Wörter rom. Herkunft: pair r. m. hair praet. 2,8; faile 
r. m. saüe (ae. ssel) 66,6; soverane r. m. nne, ilkane, mine 67,5: 
consall r. m. t'a/e (wählen) 66,4/ air (hercs) r. m. quJwr, 
ledar 29,12. 

Am Ende des "Wortes reimen in unserem Denkmal ur- 
sprüngliches ai und ei nur mit sich selber. Jedoch ist das Gedicht 
zu kurz, als dass man berechtigt wäre, daraus irgend einen Schluss 
zu ziehen. Buss, a. a. 0. p. 506, führt nur sehr wenige Belege 
aus Bruce und den Legenden an, die für Monophthongisierung 
auch am Ende des Wortes sprechen, und auch bei schottischen 
Dichtern der spätieren Zeit habe ich nur wenige Beispiele für diese 
Erscheinung gefunden. In Henrisone's Fabeln (ed von Diebler, 
Anglia IX) finde ich nur einen Beleg: tay (ae. tä) : day : gay (inf.) 
2155, auch bei Dunbar nur einen; Noroway : ga : sla I, 41, 105 
(Ausg. von Laing), im Golagrus und Gawain und im Wallace gar 
keinen. 

Dass der aus den ursprünglichen Diphthongen entstandene 
Monophthong nicht, wie Böddeker, Engl. St. II p. 346, behauptet, 
die Aussprache ee gehabt hat, scheint mir aus Str. 48 hervor- 
zugehen, wo bei dem Reimschema abababab fair bere repair eir 
hair effeir air iveir die Reimwörter sind. 

An. au wird durch ou vertreten: pwle sb. (gaul an.) r. m. 
foule, owle 5,1; ^owle vb. (an. gaula) r. m. denselben Wörtern 8,11. 

Ae ea wird ausser vor w zu e: eih (ae. 6ac) r. m. seik, 
weik, speilce 19,2; hame-teme ('ae. bearnteam) r. m.' lerne 56,13; 
Jied (ae. hßafod) r. m. sted, wed 60,12. 

Auch vor g und h wird 6a zu e, und der Guttural schwindet 
vollständig: e fae. ßage) r. m. he, me 6,2; hie (stets in dieser 
archaistischen Schreibung, aber Ä« gesprochen, worüber Buss, 
a. a. O. p. 497, und Brandl, Einl. zum Thomas of Erceldoune, p. 
59 f., zu vergleichen sind) r. m. entre 11,12; r. m. se,hle, fle 28,2; 
r. m. be, th^ 16,7. 

Ae. ßa vor w findet sich als aw und ew in den Fort- 
setzungen von ae. sciaivian: schawe r. m. Icnawe 29,13; schawin 



— 29 — 

r. m. avm€y hiawin, drawin 73,S; ähnlich 71,4; schewe r.m. Icnewe, 
ynewe 45,5. 

Ae. ea vor Id erscheint: 

1) als a, für das auch zuweilen au geschrieben wird : behald: 
ald r. m. cald parte. 42,10. (Tür die Zuverlässigkeit der Reime 
mit cald cf. Schleich a. a. 0. p. V.); tauld : auld : yald: bald 23,1, 

2) als o: behold inf. r. m. fold 25,13; bold (ae. beald^ r. m. 
gold 28,13. 

3^ als e in beld (ae. beald) r. m. scheid, beheld praet., feld 
32,3; jedoch scheint es mir nicht ganz sicher, ob beld hier die 
Fortsetzung von beald ist. da die Bedeutung nicht recht zu dem 
Sinn des ganzen Verses passt. 

Ae. ea vor r -f- cons. wird 1) zu a : forthward r. m. lard 
15,10; harmes pl. r. m. armes 42,9; 2) zu e : erd (ae. eard) r, m. 
opperd 1,9. 

Vor cht hat sich au aus ea entwickelt ; faucht : 
saucht 65.11. 

Ae. ea nach Palatal ist stets zu a geworden: schap r. m. 
I^ape, cape 7,6; sali r. m. counsall 10,6; ^ard r. m. lard, foHh- 
toard 15,12; gaif praet. r. m. laif, graif, saif, 35,6. . 

Ae. eo wird e: fre r. m. degre, me 12,10; se inf. r. m. hie 
(heah) 28,8; lerne (leoma) r. m. teme 56,9. 

Auch nichtws. eo, ws. !e, i-Uml. von eo, entspricht e : deir 
r. m. heir 34,10; sene r. m. wene, bene 30,1. 

Ae. eo + & wird wie 6a + g zu einfachem e : fle r. m. entre, 
hie 11,10. 

Aus ae. 6ow wird 1) ow, das mit ou, ow anderer Herkunft 
reimt: yow r. m. prowe 75,13; trowis 3. sg. r. m. dowis Cpl. von 
dow, Taube), allow is, bowis Cbügan) 77,4 2) ew: knewe praet. 
treice (angl. treowe) r. m. ynewe, drewe 14,3, r. m. hewe 31,13. 
Auch hier besteht der Bedeutungs unterschied zwischen trow und 
treio, dass ersteres als Verbum, letzteres als Adjectiv verwandt 
wird, auf den Schleich a. a. O. p. XII aufmerksam macht. 

Ae. 6oht wird zu icht in licht r. m. s^iclU, dicht 5,11. 

Ae. eo vor r wird zu a in swar r. m. blythar, war, ar, 14,2. 

Ae. eo wird gewöhnlich zu e : h^viti : sevin r. m. nevyn (an. 
nefna), ewyn (ae. efen) 56,3; hens r. m. sentence, eloquence, 3,12; 
feile (^feola^ r. m. appele, unhele, 20,3. 

Ae. eo vor r wird zu a: hart r. m. part, inwart 30,11; r. m. 
art 2. sg. 37,9; r. m. start 39,8. Im Versinneren kommt einige 



— 30 — 

Male Mrt vor, aber auch hier häufiger hart, das im Reime nur in 
dieser Form sich findet. 

Ae. eoht erscheint als icht: ficht (geschr. fecht) sb. : bricht 
r. m. dicht, mycht 38,5. 

Ae. eo nach sc wird zu o in schold r. m. göld^ mold 32,12; 
52,13. 

Im Inneren des Verses findet sich nur die Form siild, und 
so ist wohl schold durch Keimzwang und Einfluss Chaucer's her- 
beigeführt worden. 

An. eyj wird zu e in de (an. deyja) r. m. e (eage), be, me 
6,6; r. m. je, me 9,12. 

An. ju ist zu e geworden in rtieike (an. mjukr) r. m. eü'e, 
seil', speiJce 19,6. 

Von der Entwickelung von afrz. ai und ei ist schon oben die 
Rede gewesen. Jedoch ist in einigen Fällen nicht a, sondern e 
das Resultat gewesen; effeir r. m. deir (derian), weir 44,1; pleid 
r. m. steid (stede), reid (read) 63,12. In diesen Wörtern findet 
sich schon afrz. e neben ai. des (afrz. deis) r. m. mes 60,9. 

Afz. ie wird zu e: reveir r. m. cleir, feir, 1,12; orere 
{arriere) r. ra. peir neir 70,12; baneris r. m. beris, iveris, feris 
42,4; cheir (afrz. chiere) r. m. feir, weir, appeir 5,2. 

Vocale in Nachsilben. 

Die Vocale in den Nachsilben sind oft schwankender Quali- 
tät, was wohl daher rührt, dass sie wegen der Tonlosigkeit der 
Silbe überhaupt nicht mehr deutlich empfunden und in Bezug auf 
ihre Qualität unbestimmbar wurden. So erklärt es sich, dass der 
Vocal in derselben unbetonten Silbe häufig verschieden wiederge- 
geben wird und mit verschiedenen Lauten im Reime stehen 
kann. 

1. German. Suffixe. 

Von den Suffixen -ar und -ast, die zur Bildung des 
Comp, und Superl. verwandt werden, wird erst in der Flexions- 
lehre die Rede sein. 

-ar zur Bezeichnung des nomen agentis wird auch -ir und 
-er geschrieben und reimt nur einmal zu ar anderer Herkunft: 
ledar r. m. quhar, air (heres^ 29,10; fangar: gryntar: seUerar 
14,10; gevar: synnir: menar- mdker 58,2. 

-ness erscheint nur einmal im Reime zu -es: witnes r. m. 
dres, distres, ges 31,5; sonst immer zu was oder zu frz. Wörtern, 
deren Vokal a ist. Dieses Suffix findet sich auch in der Schrei- 



— 31 — 

bung -nace, und so liegt die Vermutung nahe, dass hier eine Suf- 
fixvertauschung stattgefunden hat: halinace r. m. face^ purchace 
6,10; halynes r. m. face, case, space 9,6; hdlynas r. m. space^ was 
24,10; richnes r. m. case, was, place 19,5. Auch bei anderen 
schottischen Dichtem dieser Zeit finden sich ausserordentlich viele 
Beispiele für diese Erscheinung, von denen ich einige anführen 
will. Aus Henrisone's Fabeln: hälienes r. m. gracCy face 681; ten- 
demes r. m. grace 720; richteousness r. m. grace, face 972 ; wilder- 
nes r. m. place 1112; besines r. m. place, trace 1721; wickünes 
r. m. place, case 2430, r. m. space 2624. 

Im Golagr. u. Gaw. finde ich kein sicheres Beispiel. 

Aus Wallace (ed. von Jamieson^; falsness r. m. grace I, 39; 
richtmsnas r. m. cace, grace II, 295; X, 1053; worthinas r. m. grace 
Vn, 147; lestandnas r. m. grace VIII, 1319; nobilnes r. m. place 
Vin, 1671; l'indlynes r. m. grace IX, 385; und öfter. 

Bei Dunbar finden sich solche Reime nur selten: wwVrt/ria5r. m. 
space I, 192,5; I, 219,82. Dagegen hat Dunbar viele Reime von 
-ness zu -ess; lustiness: oppress II, 46,22, incress SS, : address 32; 
nobilnes r. m. Hercules I, 249,11. 

2. Romanische Suffixe. 

-all (lat. -alisj; speciall r. m. all 8,9; temperale r. m. hmle, 
saile 22,4; mensträlis r. m. nychtingatlis 55,9; spiritualis r. m. a7/s 
(ae. eglan) 57,5. 

In boxcallis 61,3, das mit angellis, spiritualis, alis reimt 
ist a statt e wohl nur wegen der unbetonten Silbe, in der es stand, 
eingetreten. 

-al (afrz. eil, oil^; apparale r. m. haile 22,4; consall r. m. 
vale, falle, saile 66,4. 

-ar ist in roman. Wörtern wohl durch Suffixvertauschung für 
afrz. -ier eingetreten; gryntar: sellerar r. m. fangar 14,10 für ckan- 
cillar r. m. fair (ae. fteger^ 16,10. 

Neben misteir (nfrz. mutier) r. m. heir, deir 34,10 findet 
sich mistar r. m. fair 16,12. 

Durch die unbestimmte Qualität des Vocals der Endsilbe 
sind folgende Reime zu erklären: 

mastres r. m. grace, space, was 3,6 und mastris r. m. awys, wys, 
oftsys 22,3; perell r. m. counsall, apparale, sali 10,2; coiinsall r. 
m. teil, feil, spell 68,6; possible r. m. reprovable, unsufferable, una- 
mendable 72,1; richas r. m. clathis, arras 52,11. Aehnlich dem 
letzten Falle finde ich Wallace I, 299; richess r. m. Wallas; VIII, 
1381 prinsace r. m. grace. 



— 32 ~ 

-ence; aentence: eloquence r. m. hena 3,10; reverena &1 ,\l 
r. m. instance, obsey&ance scheint mir auch durch die Tonlosigkeit 
der letzten Silbe erklärt werden zu müssen. 

b)CONSONATEN. 

Dieselben geben nur zu wenig Bemerkungen Anlass. 

Im Gegensatz zum Ne. findet sich k in kirJc, das allerdings 
im Reime nicht vorkommt; doch alliteriert das k dieses Wortes 
immer nur mit demselben Laut, so in constant and kirllik ander 
hia der cape 7,4; ccrreker of kirkmen xcaa clepit tlie claik 17,4, 
was man vielleicht als Beweis für die Aussprache k betrachten 
darf, denn ch findet sich nur einmal in Alliteration mit c; war 
clien^it 80 chevalriu^ that no creatur 47,7. 

Ferner ist altes k erhalten in apeik sb. r. m. meik, eü', ank 
19,8, cjuhilk, melde, aic ('aus dem Versinneren). Die Adverbial- 
endung ist immer -ly, kommt aber nicht im Reime vor. 

In kneia 8,2 wird das k noch gesprochen, denn es alliteriert 
mit courtaaay und couth. 

Neben der Schreibung ryche 2,1 findet sich ryke 52,6. Das 
Wort ist in beiden Fällen Adjectiv. 

Ausfall des k findet statt in ta Inf., tane parte, und maid praet. 

Frz. reimt mit ae. s und ist auch selbst oft s geschrieben; 
reaauit 12,3; grace: space r. m. loaa 3,2. 

Für Ausfall des g zwischen n und th sind beweisende Reime 
nicht vorhanden. Nur im Inneren des Verses findet sich lenthing 
3,8 und lenth 23,2. 

Statt des gewöhnlichen ew aus ae. ö + g findet sich im 
Versinneren die Schreibung eugh in heugh 31,10. Aehnlich kommt 
25,5 throuch vor neben sonstigem tfirowe, welches sich 4,10 im 
Reime zu achadctoey groice findet. 

h ist abgefallen in o/ä<26,1. Unorganisch angetreten ist es in ha- 
houndia 25,7; hatUllia m,\\ howlat 4,9; 7,9; 21,3; 66,5 und öfter 

Ae. hw wird immer quh geschrieben. 

Statt der ne. Schreibung sh findet sich in unserem Denk- 
mal noch meistens seh. Nur 32,12 findet sich ahold, dagegen 52,13 
achold, 

Ae. intervocales f wird teils durch f, teils durch v, teils durch w 
wiedergegeben; lufia\ hehufia 58,9; loving 44,9; lovyt 29,7; ewyn 56,7. 
Am Ende des Wortes steht f, jedoch kann auch für das auslau- 
tende f V eintreten, wenn noch ein stummes e folgt; helyf 11,7; 
22,1; aber lelyve 23,9. 



I 



— 33 — 

An. f wird durch w vertreten in newyne 56,1. 

V in rom. Wörtern wird im Ausl. durch f, sonst durch v 
und w wiedergegeben: mufe 31,6; 53,1; saif 35,8; — approvit: 
movit 29,1,3 r. m. lovit. — Wenus 18,5; icesit 18,5; auJOtriY 35,1; 
wycit^ waUntyne 71,8; awenand 51,3. 

Mit dem vorhergehenden Vocal verschmolzen ist ae. f in 
dowis ('ae, düfe) r. m. trowis, allow as, howis 77,2. 

Ae. w ist am Ende des Wortes zu f geworden in ruf (ae. 
röw) r. m. dbuf, luf 2,1. 

Vocalisiert ist ae. w nach Consonant in schadowe r. m. 
throwe, growe 4,11. 

{) ist am Ende des Wortes zu d geworden in ferd (ae. 
f6or{)a; 47,3; deid (d6a{);: feid ('ae. f^h^uj 5,13. 40,12 findet sich 
sogar det r. m. set, /ete-(ne. feat). Mir scheint es, als ob hier 
Reimnot die Schreibung mit t herbeigeführt habe. 

Neben feth^r ('Feder) findet sich oft fedder, feder, 

Ae. d ist geblieben in fader 21,1 und moder 56,4; 58,6. 
Ebenso ist ae. hider als hiddir erhalten 68,7. 

Ae. d ist auslautend zu t geworden in inwart r. m. harty 
pari 30,12 und hackwart r. m. art, start, hart 39,4. 

Vorsetzung von t findet sich in the tane and th etother 46,5. 

Aus frz. mouilliertem n wird im Auslaut ng; lyng (ligne) r. m. 
morningy appering, tdkynning 13,5; ryng (regner^ r. m. Mng, thing 
37,6. Neben lyng findet sich 65,9 lyne r. m. syne. 

Im Inneren des Wortes bleiben mouilliertes n und 1, die 
durch wji und Zj bezeichnet werden ; sen^eouris 50,4 unfal- 
^dble 30,6. 

Bei mouilliertem 1 wdrd am Ende des Wortes die Mouillie- 
rung aufgegeben: counsall: faile r. m. vale (wählen), saile (Saal) 
66,4; apparale r. m. sali (sceal) 10,8. 

n ist vorgetreten in ane nothir 3,10; 43,1; 47,1. 

2. Flexionslehre. 

Der Genitiv des Singulare der Substantiva wird durch die 
Endung -is gebildet. Bei Wörtern, welche Personen bezeichnen, 
ist er auch endungslos, a) Babylonis towr 23,7; Goddis grace 
37,3; thy sonis syd 58,3; hjngis caytouris 50,8; Noyis tnessinger 
18,10; the Murray is micht 43,11; u. s. w. b) the soverane eigne 
30,1; his soverane saiJce 44,6. 

Die Plural-Endung ist in der Regel -is (-es). Beweisende 
Reime dafür, dass is gesprochen w^urde, sind hreidis: neidis: seidis 



— 34 — 

r. m. neid is 3,1; dotoü r. m. aüotv is 77,2. Auch sonst kommen 
Pluralformen häufig im Reime vor: landis, tythandis r. m. standis 
3. pl. 11;1; fellis: weüis r. m. eüis, tellia 24,4. 

Auf Vocal ausgehende Substantiva bilden ihren Plural auch 
auf blosses s (in welchem Falle doch auch die Schreibung -is vor- 
kommt); ratois: satois r. m. cam 19,10; mit demselben Worte reimt 
sawis noch einmal 34^13 ; aüycts r. m. was, place 47,12. Cf. Murray, 
Dialect of the Southern Counties of Scotland, p. 155. 

Clathis findet sich 52,10 im Reime mit arras, richas, Fdr 
die Beurteilung dieses Reimes verweise ich auf Buss^ Anglia IX 
507. Dasselbe Wort finde ich Henris. Fab. 513 r. m. mais und 
gais, 1091 mit gaisy tais. Diebler führt hier die Schreibung clais 
ein. 

Der Genitiv vom Plural men findet sich einmal im Vers- 
nneren in der Form mennis 3,3. 

Einen Rest der schwachen Deklination zeigt der Plural 
eyne 26,8. 

Endungslosen Plural finde ich in fische 54,7 und 13, und in 
düke r. m. luke 23,13. Nur Reimnot scheint die letztere Form 
herbeigeführt zu haben, denn sonst findet sich regelmässig dukis. 
Von der Deklination der Adjectiva findet sich ein Rest in zwei 
Fortsetzungen von ae. ealra; a) althir und aUher in Verbindung mit 
einem Superlativ 35,10; 48,1. b) aller is in Verbindung mit dem 
possessiven Pronomen thar und mit eigentlicher Genitiv-Bedeutung, 
eine Form, die eine doppelte Endung hat. Ealra gab aller, das 
man nicht mehr als Genitiv empfand, weshalb man das Wort 
noch mit dem lebenden Suffix -is versah: th^r alleris niastns 22,3 ; 
thar aller is instance 67,6; thar aller is request 66,11. 

Einmal kommt im Versinneren ein Parte. Praes. mit -s im 
Plural vor; apperans 21,9. 

Der Comparativ hat die Endung -ar: levar r. m. fair, hair, 
pair 2,6; hlythar r. m. swar, tvar, ar 14,4. 

Der Superlativ wird durch Anhängung von -ast gebildet: 
nohillast r. m. maist, cast 35,11; hieast: lathast r. m, haist 75,5 
Statt trewest r. m. fast, hxmest 10,10 ist wohl trewast einzuführen. 
Der Reim von honest: trewast, fast müsste dann durch die Ton- 
losigkeit der Endsilbe erklärt werden. 

Der unbestimmte Artikel lautet a und ane. Vor Conso- 
nantcn kommen beide Formen vor, vor Vocalen findet sich nur 
a7ie. 



— 35 — 

Die Formen des pers. Pron« sind: 

Nom. J thow he scho it ) « 

Gas. obl. me the htm hir it) ^' 

Nom. «76 ye thay ) p. 
Gas. obl. 118 you thaim ) 

Die possess. Pron. der 1. und 2. Pers. Sg. haben neben den 
Formen my und thy noch die längeren, seltener vorkommenden myn 
und thin. Während my und thy vor consonantischem und voca- 
lischem Anlaut stehen, finden sich die Formen mit n nur vor mit 
Vocal anlautenden Wörtern. 

In den oben angeführten Verbindungen mit alleris hat thar 
noch den Sinn eines Genitivs. 

Das demonstrative Fürwort zeigt im Sg. die Formen this 
und that, im PL thir und thai (wohl tha gesprj 

Der alte Instrum. |)y ist eiiialten als thi in for thi 34,3. 

Ae. swelc, swilc ist zu »ic geworden: 8,2; 65, 7. 

Das Pronomen der Identität wird vertreten durch t^, dem 
meistens that vorangeht, und durch das nur in flektierter Form 
vorkommende samyn. 

Das Relativpronomen erscheint niemals in der Form at, 
sondern im Nom. und Acc. stets als that und quhilk. Einmal 
findet sich auch ein Acc. qtihom, der sich auf eine Person bezieht 
26,4. Neben quhilk findet sich auch einige Male iJie quhilk, 
4,12; 66,7. 

Das fragende Pronomen erscheint, auf Personen bezogen, 
im Nom. als quh-a, im Acc. als quhom. Quhat wird in derselben 
Weise angewandt, wie ne. w/mt: quhat woHhy lordis 24,12; quhat 
way 36,13. 

Bezüglich der unbestimmten Fürwörter verweise ich nur auf 
den Unterschied zwischen ilkane und ilk (jeder), von denen das 
erstere substantivisch, das letztere adjectivisch gebraucht wird. 
Neben ilk findet sich einmal ilka 68,9 in adjectivischer Ver- 
wendung. 

Yerbalflexion. 

Der Infinitiv findet sich mit Ausnahme von garte (gehen) 
12,6 r. m. tane parte, ilkane^ ane und dem auffälligen schawin 
73,8 r. m. awne, hiaicin, drawin stets ohne Endung. Sollte nicht 
statt schortly to schawin, 73,8, schortly to he achavyin einzuführen 
sein? Die Beispiele für den endungslosen Infinitiv sind häufig: 
say r. m. day, may 4,3; grow r. m. throwe, achadoxce 4,12; howe 



— 36 — 

r. m. prow, falowe 71,5; fang r. m. rang, thrang, sang 73,3; se 
r. m. hie, hie 28,8; hehold r. m. gold, fold 27,4. 

Als Praepos. vor dem Inf. werden to und tili angewandt, 
das erstere gewöhnlich vor Consonanten, das letztere nur vor 
Vocalen: Uli apper 26,10; 27,3; tili attend 46,4; tili offend 46,8; 
tili affray 46,12; tiU indur 57,6; tili allow 71,6; 77,6. — For to 
findet sich 7,8; 19,4; in to 11,9. 

In der 1. Pers. Praes. Ind. findet sich zweimal im Inneren 
des Verses die Endung -is, nämlich in aslcis 9,6 und referris 45,9. 
Es handelt sich hier um zusammengezogene Sätze mit dem ge- 
meinsamen Subject J; askis und referris sind die Praedicate der 
zweiten Teile der Satzverbindungen. Sonst tritt die 1. Pers. 
immer nur in unmittelbarer Verbindung mit dem Personalpron., 
oder durch ein kleines Wort von ihm getrennt, auf, und in diesem 
Falle fehlt die Endung. Im Reime: I de 6,6 r. m. ine, 6c, e; 9,12 
r. m. ye^ me\ I rieht newyne 56,1 r. m. h^vin, set^yne, ewyn, 

Beispiele für das Verhalten der 2. Pers. finden sich 
nicht im Reime. Auch im Versinneren findet sich nur thow 
sittis 58,3. 

Die 3. Pers. hat regelmässig die Endung -is, die, wie Reime 
mit is, 3. Pers. Praes. von be, lehren, auch mit hörbarem Vocal 
gesprochen wurde : remordis : recordis 51,4,6 r. m. lordis, restord is; 
trowis 77,4 r. m. allow is; he heris 28,1: efferis, levis : he weris, 
und öfter. 

Cryis 16,7 im Reime zu ryse, awys, office, lässt es fraglich 
erscheinen, ob cryis oder cris gesprochen wurde. Der Umstand, 
dass sonst die Endung -is immer nur in weiblichen Reimen vor- 
kommt, spricht für Einsilbigkeit. Wenn 65,13 begynnis im Reime 
zu syngis, stirlyngis vorkommt, so ist der Reim wohl als unreiner 
anzusehen und spricht nicht dafür, dass die Endung -is auch allein 
im Reime stehen kann. 

Der Plural ist a) endungslos, wenn das Pronomen mit 
der Verbalform verbunden ist, hat b) anderenfalls die Endung -is. 

1. Pers.: o.) we confide ö8,5 r. m. glyde, syd, wyde; we se 
76,5 r. m. he, the, hie, b) committis 57,10 Vi. 

2. Pers.: b) pullis 75,11, ein Beispiel aus dem Inneren des 
Verses, das aber nicht ganz sicher ist. 

3. Pers.: a) thai argewe 21,6 r. m. kneive, wertewe; thai 
here 48,2 r. m. eir, effeir, iveir. b) foundis : haboundis 25,5,7 
r. m. groundis, cround is; bowis 77,8 r. m. allow is. Ausser den 
angeführten finden sich noch viele Reime zu Substantiven im Plural. 



— 37 — 

Der Conj. Praes. ist stets ohne Endung: 1. Pers. Sg. or 
my tale teil, 8,4 r. m. feUy well, speU, 2. Pers. bot thow reule 
76,9 (aus dem VersinnerenJ. 3. Pers. so me God saif 35,8 r. m. 
laif, gaif, graif; so me our Lord leid 36,2 r. m. deid^ st€ide,reid; 
blyth 77,8 Vi; ä« len 77,9 Vi. 2. Pers. PI. or ye mair spell 68,8 
r. m. fell^ teil. 

Für den Imperativ finden sich nur Beispiele aus dem Inneren 
des Verses. Er ist hier immer ohne Endung: Sg.: lat 58,1; mah 
58,8; M*e 58,9; sei, gif 62,ß; thinJc 7^,1. PL: md 31,5; dreid 
68,5; mark 75,8; wryth 77,7. 

Das Parte. Praes. endigt auf -and. Im Reime kommt es 
nur einmal vor : everlastand 17 ^9 r. m. HoUand, Sonst oft: jyrechand 
17,3; saland 60,7; lyand 18,6; considerand 67,3; rovmand 18,11; 
flyrand 64,11 und öfter. 

Das Verbalsubst. geht auf -ing aus: uppering : tdkynning 
13,3,7 r. m. momyng, lyng. 

Das Praet. zeigt niemals Personalflexion: thoxo rang 73,1 
r. m. fang, sang; thow wan 6'6,7 r. m. man, than^ban; thow ischit 
63,7 (Vi;) taryit, brocht, 2. sg. 63,8. (Vi). 

Starke Conjugation. 

Der Ablautsvokal ist bei den starken Verben im Plural 
Praet. derselbe wie im Singular, wofür allerdings nur ein bewei- 
sender Reim vorgebracht werden kann: thai faucht 65,11 r. m. 
raucht, saucM. Das Parte. Praet. endigt stets auf -in oder -n. 

Folgende Formen starker Verba sind in Reimen zu belegen : 
Klasse la: «e inf.; sene parte, praet.. — gaif praet. — bad 

praet. 

Kl. Ib: bere inf.; bare, bair und bure praet. 

Kl. Ic: fand praet. — flang praet. — wan praet. — ran 
praet. — faucht praet. — yald praet. 

Aus dem Romanischen ist ryng^ mit dem Praet. rang, in 
diese Klasse gedrungen. 

Kl. II : byte inf. — glyde inf. — ryse inf. — wryte inf. ; wrait 
praet. — schane praet. 

Kl. III: bowe inf. — fle inf. — rewe (hrßowan) inf. 

Kl. IV: drew praet.; drawin parte. — füre praet. 

Aus dem An. ist in diese Klasse eingedrungen: ta 'm{,;tuke 
praet. (Ti.); tane parte. 

Kl. V: ban inf. — blawin parte. — behnld, behold inf.; be- 
held praet. — feil praet. — hiaice inf.; hieice praet.; knawin parte. 



— 38 — 

Aas der schwachen Conjugation ist wohl nach Analogie von 
l'naw in diese Klasse übergegangen schaw, schew; sch^we praet.; 
8C?uiwin parte. 

Schwache Conjugation. 

Praeteritum und Participium werden durch Anhängung von 
-it, -t, -d gebildet. Bei Verben, die auf Dental ausgehen, ver- 
schmilzt die Endung mit dem Stammauslaut. Unser Denkmal ist 
zu klein, als dass genaue Regeln über den Wechsel der Endungen 
aufgestellt werden könnten. Nur soviel ist zu ersehen, dass -d 
nur an solche Verben tritt, deren Stamm auf Vocal, r, n oder I 
ausgeht. Jedoch haben auch diese Verben neben -d -it, wofür 
allerdings nur ein beweisender Reim vorgebracht werden kann: 
niellit 39,3 r. m. teil it. Aber im Versinneren findet sich sogar 
callit neben cald, feUit neben feld. 

Ich führe nur die einzelnen durch Reime belegten 
Formen' an: 

Praet.: remanit : ganit 66,1,3 r. m. layne ü; franyt x 
paynit : remanit 21,1,3,5 r. m. layne it; niellit r. m. teU it 39,3; 
sonst noch: yemyt : semyt : demyt 11,2; movit : kovit : lovit 
29,3; awowit : dowit : growit 35,1. 

hlist 51,13 r. m. wist; kend 55,1 r. m. end, ostend; 46,2 r. 
m. attend amend, offend; apperd 1,13 r. m. erd; efferd r. m. erd^ 
herd 25,4; cryd 14 J r. m. hyde, pryde^ tyde. 

betid 39,12 r. m. kid, did; sent 1,7 r. m. ment; send 55,3 r. 
m. end, ostend. 

Participium: planyt 66,5 r. m. layne it; fellit: weltit 39,15, 
r. m. Uli it, 

beft 74,12 r. m. eft; restord 41,12 r. m. lord, rernord; 
restord (is) 51,8 r. m. lordis, recordis, remordis; cald 42,12 r. m. 
behald, dld, 

send 34,3 r. m. tend^ end \ sent 54,11 r. m. adwent^ firmament; 
set 40,10 r. m. fete, det\ dicht 38,1 r. m. mycht^ bricht. 

Praeterito-Praesentia. 

Prs. I can 75,4; thai can 40,3; — Praet. c<mthe(Vi), 

Prs.^ I dare (Vi). 

Prs. sali (für alle Personen^ 10,6; 19,13. — Praet. schold, 
shold 32,13; 52,12 r. m. gold, mold. Im Inneren des Verses 
suld. 

Prs; may 31,6; 4,5. — Praet. mycht (Vi). 



— 39 — 

Prs. mot fihow) 56,12. (Vi). 

Prs. wait (Vi) für alle Personen; 

Imper. wit (ye) 30,5 (Vi). 

„wollen" 
Praet. wald für alle Personen. 

Unregelmässige Verba. 
a. thun. 
Praet. did 39,11 r. m. kid, hetid. 
Parte, done 69,4 r. ni. hone, sone, 

b. gehen. 
Inf. gane 12,6 r. m. ilkane, tane. 
Praes. I ga 68,13 r. m. ta inf. 
Praet. yeid 64,2 (Vi). 

Parte. Praet. gane r. m. allane 73,11. 

c. haben. 

Praes. I haife 10,1 r. m. saif, laif, conclaif. PI. : ye haue, 
thai haf; has 3. pl. ohne Verbindung mit dem Personalpronomen. 
Praet. had sg. und pl. 

d. sein. 

Praes. Sg. 1. am (Vi), I be 6,4 r. m. e, de, me. 

2. art 37,13; 39,2 r. m. hart, staH. 

3. is 3,7; 51,8; 56,8. 

PI. ar 14,8 r. m. swar, blythar. 

is r. m. foundis, hahoimdis 25,3, r. m. 

ellis 57,13. 
be7ie 30,7 r. m. se^ie, bedene, wene. 
Praes. Conj. be (I seine) 5,10 (Vi). 
Infinitiv: be 56,12: 72,13; 76,1. 
Praet. Sg. was 3,4; 30,9; 31,11; 50,13. 

wes (geschr. tvas) r. m. ges, address, never- 
th^les 33,1. 
PI. war 14,6; was 24,12; 67,8; 37,7. 
Praet. Conj. Sg. war 60,2; PI. loar 24,13. 

VIII. Ort der Entstehung. 

Die Verherrlichung des Hauses Douglas und manche Einzel- 
heiten weisen schon darauf hin, dass unser Gedicht in Schottland 
entstanden ist. So sind namentlich hervorzuheben : 29,9 our sove- 
rane of SeoÜand his armes to Tcnawe; 30,8, wo der Dichter die 
Familie Douglas our lois and our lyl'ing nennt; 42,1, wo er vom 
König von Schottland mit our roy spricht. 



— 40 — 

Trotzdem aber wäre die Vermutung nicht ausgeschlossen, 
dass Holland, wie er das Parlament -der Vögel zur Einkleidung 
seines Stoffes benutzte, sich auch in seiner Sprache an Chaucer 
angelehnt haben könnte. Jedoch finde ich ausser der zweimal im 
Reime belegten Form schuld 32,12; 52,13, für die im Versinneren 
immer suld steht, nichts, das in dieser Beziehung als eine Nach- 
ahmung Chaucer's angesehen werden könnte. 

Dalhngegen besteht eine grosse Aehnlichkeit der Laute 
unseres Denkmals mit denen des Bruce, Sir Tristrem und Thomas 
of Erceldoune, und alle einzelnen Punkte hier anzuführen, ist wegen 
der leicht zugänglichen Untersuchungen von Buss, Kölbing und 
Brandl kaum nötig. Für den schottischen Dialect spricht beson- 
ders die Monophthongisierung der Laute ai und ei. Nur auf einen 
Punkt glaube ich etwas näher eingehen zu müssen. Obgleich die 
genannten Gelehrten schon nachgewiesen haben, dass auch im 
Norden ä zuweilen zu o wird, halte ich es nicht für unnötig> die- 
selbe Erscheinung auch in einigen Denkmälern zu zeigen, welche 
sicher um dieselbe Zeit, wie das Buch von der Eule, in Schottland 
entstanden sind. 

Aus Henrisone's Fabeln: lord r. m. record 34; moir r. m. 
hefoir 823; 1281; 1740; sore r. m. thairfore 1315, r. m. hefoir 1606; 
gone: allone 1184,85 r. m. pi'opone. Ans dem Wallace: mor r. m. 
befor I, 16; III, 27,135; IV, 49,83,141,686 und öfter; lord r. m. 
accord I, 348; sor r. m. tharfor I, 439; VIII, 51. Aus Dunbar: 
go:so:wo:fo r. m. sepülchro I, 247; Salamone : stone : dtspone : 
none II, 52,26 ff; anone r. m. postpone I, 29,28. moir r. m. befoir 
II, 16,389; II, 21,529; dispone r. m. gone I, 191,13. Sogar moir 
r. m. bure II, 22,563. Murray, Dialect of the Southern Counties 
of Scotland, p. 65, will für diese Erscheinung Einfluss ^Chaucer's 
annehmen. 

Einen Beleg dafür, dass ae. ea vor Id auch in streng schot- 
tischen Denkmälern zu o wird, finde ich ausser in unserem Ge- 
dicht noch Golagr. und Gaw. 205 ; gold : behold : bold. Zu e wird 
es im Wallace 3,72 : teld r. m. h^ld. 

Auch die Flexion zeigt durchaus die Eigentümlichkeiten des 
Schottischen; so namentlich die Endung -is im lud. Praes., die in 
der 1. Sing, und im Plural nur dann abfällt, wenn das Verb vom 
persönlichen Pronomen begleitet ist, das fast vollständige Fehlen 
des flexivischen n im Infinitiv und das stete Vorhandensein der 
Endung -in im Parte. Praet. der starken Verba, -t für -d im Praet. 
'^nd Parte, der schw. Verba. 



— 41 — 

Auch die Verwendung gewisser Wörter kennzeichnet den 
schottischen Dialect, so der Gebrauch von syn in der Bedeutung 
„darauf, dann", wovon sen, das nur als Conj. verwandt wird, stets 
streng geschieden ist, die Verwendung von hut im Sinne von „ohne", 
welche ebenfalls auf den schottischen Dialect beschränkt ist. Vgl. 
über die beiden letzten Punkte Morris, Preface zu The Pricke of 
Conscience, p. VII. 

Wie die anderen schottischen Denkmäler dieser Zeit zeichnet 
sich auch das Buch von der Eule durch das häufige Vorkommen 
von romanischen Wörtern in französischer Form aus, von denen 
ich einige anführe : allya, carioun, chen^ (verketten), corby, dyte, 
expreme^ felloun, galiard, gre^ ische, los, mansuet^ merle, mister, 
mure, ring^ rot, vesye. 

IX. Metrik. 

a) STROPHE. 

In unserem Gedicht kommt die bekannte, 13 meist alllite- 
rierende Verse umfassende Strophe mit der Reimstellung a b a b 
ababcdddc zur Anwendung. Der Anfang einer neuen 
Strophe wiederholt sehr oft ein oder mehrere Wörter aus der 
letzten oder vorletzten Zeile der vorhergenden : 1,12 und 2,1 :re- 
veir; 2, 11, 12 und 3,1 iths hirth that the ground Iure; 3,13 und 
4,1 :purpos; 4,13 gowlyne und 5,1 yowle; 6,13 und 7,1; fane; 7,13 
und 8,1: pape\ 10, 13 und 11,1; but hone. Aehnlich in 12, 13, 15, 
17, 18, 19, 21, 22, 23 u. s. w. Von der Mitte des Gedichtes ab 
tritt diese Erscheinung immer seltener auf und kommt zuletzt gar 
nicht mehr vor. 

b; REIM. 

Reime, in denen auf den Reimvokal verschiedene Conso- 
nanten folgen, also blosse Assonanzen, finden sich nur 55,10 ff; 
syngis : stirlingis : begynnis und 13,6 compt : front, bront, wont. 
Doch ist in dem letzten Falle wohl cont, cunt statt compt einzu- 
führen. 

Wenn Reime von frz. und germ. s zu c vor e oder i ge- 
unden werden, so sind diese sicherlich nicht unrein, denn wir 
haben wohl tür beide Lautzeichen gleiche Aussprache anzunehmen. 

Mit Ausnahme der Vokale in unbetonten Silben bindet der 
Dichter nur Vokale derselben Qualität mit einander. Nicht so ge- 
nau beachtet er die Quantität, denn er reimt was mit grace, Space 
3,4; g lad mit braid, maid49,4: leidis {sie. l^dan) mit feidis (fedan^ 
18,3; oist mit most 26,1. 



— 42 — 

Oft liegt der Reim auf Silben, welche den Nebenaccent 
tragen. Wir haben in diesem Falle Tonverschiebung anzunehmen. 

Folgende germanische Flexionssilben erscheinen im männ- 
lichen Reime und reimen sowohl mit sich selbst, als mit einsilbigen 
Wörtern; -ar als Suffix des Comparativs und solcher abgeleiteten 
Substantiva, welche den Träger einer Thätigkeit bezeichnen, -ast 
als Superlativendung, -and, die Endung des Parte. Praes., -ing, di& 
des Verbalsubstantivs levar 2,6 r. m. fair, hair, pair\ hly- 
thar 14,4 r. m. swar, war; nöbillast 35,11 r. m. maist, cast; gryn- 
tar: sellerar : fangar 14,10 ff; cunnand 16,9 r. m, 8and\ appering: 
takynning 13,3,7 r. m. lyng, digne. 

Andere Fälle : Douglas 31,12 r. m.was; 36,12 r. m. grace; 40,9 
r. m. place; Scotland: thousand 38,4,8 r. m. watid^ command; back- 
wart 39,4 r. m. art, start, hart; ladye 57,11 r. m. the^ fre. 

Dieselben Wörter reimen miteinander: landis 11,1,7; cleir 
27,1,7; th€ 62,4,6. 

Ein Reim von Homonymen ist levü (erlaubte): levit (zu- 
rückgelassen) 42,1,7. 

Reime von verwandten Wörtern: neidis: neid is 3,3,7; 
ilJcane : ane 12,4,8; 67,7,3; lallane 52,1,5; 72,2,4,6; oucht: noucht 
68,1,5. 

Dasselbe Compositionselement steht im Reime in fairhed: 
godhed 1,6,8. 

Im weiblichen Reime erscheinen die Endungen; 1. -— is; breidis: 
neidis : seidis 3,1; landis: standis: tythandts 11,1 ff; priouris 
charterouris : houris: ordouris 15,1 ff; toionis: persounis: procura- 
ciounis 17,10 ff.; beris: maneris: weris: feris 42,2 ff. und öfter. 

Anm. Die 3. Pers. Sg. des Verbum substantivum is wird 
entweder wie die gleichlautende Endung behandelt oder erscheint 
in männlichem Reim; neid is 3,7 r. m. breidis, neidis, seidis; is 
56,8 r. m. blys, mys, wis, 

2. — yt, — it: yemit: demit: semyt: expremit 11,2 ff; franyt: 
paynit: remanit 21,1 ff; fellit: mellit: wellit 39,1 ff. 

Anm. Von dem Pronomen it gilt dasselbe, was in der Anm. 
zu 1. von is gesagt wurde; teil it 39,7 r. m. fellit, meUit, wellit; 
layiie it 66,7 r. m. remanit, ganit, planit; it 39,9 r. m. writ. 

3. — il (le) nur in dem rom. Sufix — able und dem gleich- 
lautenden Worte: unchangeable : coursable : unloveabU: able 18,2 ff. 
und öfter. 

4. — in; newin: kevin: sevyne: ewyn6ß,lS; knatoin: scba- 
win: blawin: thrawin 71,2 ff.; atcne: knawin: ärawinx schaicin 73,2 ff. 



— 43 — 

c) VERSBAU. 

Die ersten 9 Verse jeder Strophe sind alliterierende Lang- 
zeilen, die letzten 4 Knrzzeilen, von denen VV. 10,1 1> 12 den Bau 
der ersten Halbverse zeigen, V. 13 den der zweiten. Cf . Luick, 
Metrik der me. reimend-alUter. Dicht., Anglia XII p. 438. 

Jeder Halbvers hat mindestens zwei Hebungen, jedoch sind 

auch erste Halbverse mit 3 Hebungen nicht ganz selten. 

wä is me, wretche in this wärld 4,4; 
my neb is netherit as a nök 5,5; 
»um hird mll häy at my heike 6,1; 
ferme, fäithfull and fast, 10,11 ; 
blyth, blömand and bricht 43,10; 
fra nUe, ressoun and rieht 75,6 ; 
thy cüde, thy clätthis, nor ihi cöst 76,3, 

Im 2. Halbverse finden sich niemals mehr als 2 Hebungen. Hier 
tritt im Gegenteil sehr oft der Fall ein, dass auch unbetonte 
Silben, auf denen dann auch der Reim ruht, in der Hebung stehen. 
Meistenteils hat dann auch der Vers die Form, die von Luick, Anglia 
XI 404, mit Cl bezeichnet wird; thocht me Uvär 2,6; to the pürpös 
3,13; it is perreU 10,2; and my cöunsäll 10,4; inamörnyng 13,1; 
I was the blythär 14,4. 2,6 und 14,4 könnten ja auch thocht me 
levar und Iwäs th^ blythar betont werden, jedoch verlangt der Reim 
die Betonung der letzten Silbe, Cf. Luick, Anglia XII 446. 

In den Versen 10, 11, 12 jeder Strophe kommt es nie 
vor, dass unbetonte Silben in der Hebung stehen. Hier ist für 
den Fall, dass sie auf unbetonte reimende Silbe ausgehen, für 
diese Tonverschiebung und Nebenaccent anzunehmen. Denn immer 
finden sich ausser der letzten noch zwei Silben, welche den Ton 
tragen können, was bei den 2. Halbversen mit unbetonter rei- 
mender Endsilbe nicht immer der Fall ist. 

Fast die Hälfte aller zweiten Halbverse ist so gebaut, dass 
zwischen den beiden Hebungen zwei oder auch drei Senkungen stehen 
und ein meistens einsilbiger Auftakt vor der ersten Hebung sich 
findet. Sie stellen nach Luick, Anglia XI 404, den Typus AI dar: 

1. Mit 2 Senkungen: 

1,1 .* at mörne as I mint; 2,1 : but resting or ruf, 

2,2; thut färly was fair, 2,3; bair bränchis abüf; 

2,5; with lyking and luf; 2,7; in heirdis couth hüf. 

2. Mit 3 Senkungen: 

1,13; that riyally apperd; 11,9 at point in to present; 

Zweisilbiger Auftakt kommt in diesem Falle selten vor; 
1,9 oi(r the dir and the Ird. 



— 44 — 

Verse, welche sich von den obigen nur durch weiblichen 

Reim unterscheiden, stellen den Typus A dar; 

3,1: icas brötvdm on breidis 3,3: for mennis all neidis; 

3,5: thir sävonms seidis; 11,1: to writ in all Idndis. 

Auch Verse dieses Typus ohne Auftakt finden sich zuweilen: 

15,3: cline clharteröuris; 69,13: ünder th^ beioes; 

Auftakt und Endsenkung fehlen, und wir erhalten so den Typus A2: 

4,4: wilsome of wäne; 2,9 sil'erly and siire; 

5,3: fässonit so foule; 5,9: hä^ me at feid. 

7,2: pdstour and päpe; 7,5; mdnsuet and miire; 

7,6: schdnd in his schdp; 69,2; hdrtlie huthme\ 

Der Typus B findet sich selten: 

5,2: with chürliche cheir; 8,2; on kneis he feil; 

70,9: he deföwlyt syne; 9,6: at your hälyfies; 

16,8: in th^ ch4nnonry; 9,3: th-at ever body bitre. 

Von Typus Cl war schon oben die Rede. 

Der Typus C (Cl + Senkung) findet sich ziemlich oft: 

11,2: thatthe sele yemit; 11,3; that under Crist ständis; 

11,4; OS it wele semit; 12,1: of thir mdteris. 

Die ersten Halbverse sind nach denselben Typen gebaut, 
nur dass hier mehrsilbiger Auftakt häufiger ist, und die Senkungen 
zwischen den Hebungen beim Typus A, AI und A2 in grösserer 
Zahl auftreten, als in den zweiten Halbversen. 

Hier herrscht der Typus AI noch mehr vor, als in den 
zweiten Halbversen. Die Zahl der Senkungen zwischen den 
Hebungen schwankt zwischen 2 und 4. 

Beispiele für A: 1. Mit Auftakt: 

2,7: becäus that thir hartes; 2,9: thus sät lin sölace; 

6,3 : Ise be my schddowe ; 6,5 : is näne bot Dame Natur ; 

3,6 : war nürist be Dame Natur ; 12,4 : and richely ths harräldis. 

2. Ohne Auftackt: 2,8: pränsand and prün^eand; 

4,3: sölpit in sörrow; 7,4; cönstant and kirklyk. 

Für AI: 1,1: In th^ myddis of May; 

1,4 . that all brychtnyt aböut ; 2,2 : throwe ane forest on föld ; 
2,6 : and for to lend by that läike ; 3,12 : tharfor in hdistwül 1 hhis. 

Für A2: 7,12: räikit under the rys; 

23,8: cruell kingis with cröun. 

Für B: 4,8: nirar that nöys in nest; 

8,8: that he suld spedely speik; 9,4: withoutin cäus or crym. 

Für BC: 7,3: that is ths pUsant pkcoki 

68,4: to re forme the höwlat. 

Der Typus Cl findet sich nicht in den eigentlichen ersten 

'Talbversen. Nur 33,12: bot sen thai the Briis beld ist nach diesem 

ous gebaut. 



— 45 — 

Nur wenige Verse zeigen den Typus C: 

10,3 : I can fiocht säy sudanelye. 

Vielleicht gehört auch 9,9: and tili accus Natur hierher, 
oder ist vielleicht noch mit frz. Betonung Natur zu lesen? Ebenso 
ist es fraglich, ob 20,9: bot to the point pHuos oder petuös zu 
lesen ist. 

d) ALLITERATION. 
In den ersten 9 Versen jeder Strophe findet sich die Allite- 
ration fast ausnahmslos. Gewöhnlich tragen nur die Hebungen 
den Stab, und zwar sind entweder alle 4, oder auch nur 3, oder 2 
mit demselben versehen. Die Verteilung der Stäbe ist an keine 
Kegel gebunden, und so treten alle möglichen Combinationen auf, 
so dass bei Versen mit 3 Hebungen a) die 1., 2., 3., h) die 1., 2., 
4., c) die 1., 3., 4., d) die 2., 3. und 4. Hebung alliterieren können. 

Häufung der Stäbe kommt in beiden Halbversen vor, jedoch 
finden sich im 2. Halbvers selten mehr als 2 Stäbe. Im Anfang 
des Gedichtes ist die Häufung der Stäbe viel reichlicher verwandt, 
als gegen die Mitte und das Ende zu. Aber auch bei Häufung 
der Stäbe kommen den Halbversen meistens nur 2 Hebungen zu. 
Enthält jedoch der Halbvers 3 Hebungen, so reimen alle 3 mit 
einander. 

Kurze alliterierende Verse, d. h. solche, in denen jeder 
Halbvers nur einen Stab hat, sind nicht gerade selten. Ich habe 
26 Verse dieser Art gezählt. 

Auch solche Verse finden sich, in welchen nur in einer 
Halbzeile Alliteration vorkommt: 14,9: Th^ semawis war monkis, 
the blak and the quhyte\ 34,3: forthi to the Dowglas that se^ne 
was send; 33,7: bot part of the principale nevertheles und Öfter. 

Ganz ohne Alliteration ist 11,1: .TÄe pape commandit but 
hone to wryte in all landis. 

Sogenannter Doppelreim findet sich ziemlich häufig, doch 
fast nur in der Form aa bb (paralleler Reim): 

5,8: noch^ for schäme of my scliape in pert tili appeir; 

7,2 ; quha is fader of all foule, pastour and pape ; 

8,4: for to behald your halynes, or my tale teil. 

Ebenso 10,5; 13,8; 14,5; 15,6; 17,3 etc. 

Auch der umschliessende Reim abba und der gekreuzte 
Reim abab kommen vor: 

11,3: for all statis of kirk that under Cr ist standis; 

15,8; all nianer of religioun, the less and the fnair; 

51,1; thar icas the haraldis fa, the hobby but fable. 



— 46 — 

Sie sind aber bo selten, dass man in ihnen wohl nur ein 
Spiel des Zufalls sehen darf. 

Dass mehrere auf einander folgende Verse denselben Stab- 
reim tragen, findet sich ebenfalls, doch selten besteht die Gruppe 
aus mehr als 2 Zeilen: 1,1,2; 1,3,4; 2,3,4; 2,5,6; 4,1,2; 6,3/4; 6,7,8; 
8,8,9; 12,3,4; 19,1,2; 22,8,9; 38,3,4. 

Auch die 4 Kurzverse sind zum grossen Teil mit Allitera- 
tion versehen, doch ist hier auch -das Fehlen derselben nicht selten. 

Sehr oft hat der 13. Vers denselben Stabreim wie der vor- 
hergehende. Wo das nicht der Fall ist, sind gewöhnlich die beiden 
Hebungen des 13. Verses mit Stabreim versehen, aber auch hier 
kommt vollständiges Fehlen desselben vor. 

Stabreim bei zusammengesetzten Wörtern. 

a. Die Wurzelsilbe trägt den Stab: about 1,4; 46,3; prolixt 
3,8; appele 4,2; reforme 6,12; 68,4; accuse 6,6; beJiald 8,4; 25,13; 
32,5; deffre 12,11; arrayd 14,3; 32,13; 52,6; und öfter, im Ganzen 
in 59 Fällen. 

b. Das Präfix trägt den Stab: rewardit 12,4; consistoriale 

18,4; precept 23,3; consavit 24,1; und öfter, überhaupt in 13 

Fällen. 

Reime von Consonantenverbindungen. 

Die Verbindungen sc, sp, st reimen gewöhnlich nur mit 
sich selbst. 

sc: sunt skripe me with scorn, sum skrym at myn e 6,2; 

OS lelesty all Scotland fra scaith to reskewe 34,4. 
sp: that h^ suld spedely speik and spair nockt to spdl 8,8; 

J come to speir, qtioth tJ^e spreit, in to speciaU 8,9; 

he wald nocht spair for to sp^'ing on a gud speid 23,6; 

Ebenso; 26,5; 57,5; 68,8. 
st; all the statia of the Icirk otit of steid steHs 12,7; 

was nane so stur in the steid micht stand him a start 39,6 ; 
ths sternys of ane nothir strynd steris so fair 43,1. 

Ebenso: 43,9; 51,8; 54,8; 55,7. 

Es ist fraglich, ob wir 22,10 in so that the spirituale staite 
Reim von s zu s oder Fehlen des Reims anzunehmen haben. 
Vielleicht haben wir ähnlich auch in 11,8 with the swaUowe so 
swyft in special expremit Reimlosigkeit des 2. Halbverses anzu- 
nehmen. 

seh reimt in 3 Fällen nur mit sich selber; 
syne schir schapyn to schawe mony schene scheid 32,1; 
than was he schand of his schape and his schroude sch-ane 69,7; 
my schroicde and my scheneweid schir to he schatvin 71,4. 



— 47 — 

Die Fälle, in welchen seh mit s reimt, sind zweifelhafter Na- 
tur; and saw his awne schadowe 4,11, beweist nichts, da in den 
Eurzversen die Alliteration oft fehlt. J se he my schadowe, my 
schape hos the toyte 6,3 kann als gekürzter alliterierender Vers an- 
gesehen werden. Fehlen der Alliteration im 2. Halbvers findet 
yielleicht statt 59,8 the dtdset, the dulsacordis, the schaJme of 
ctösay, und 60,1 quhen thai had songyn and said, softly and achour, 
ein Vers, der wahrscheinlich verderbt ist, genügt auch ohne die 
Annahme des Keimes von seh zu s den Forderungen der Allitera- 
tionsregeL 

ch reimt nur mit sich selber; 

cheverand and chydand with churliche cheir 5,2; 

was chosin chauntour fuU cheif in the channonry 16,8; 

chargit as chanctUar 16,10. 

Ebenso: 18,2; 26,2; 42,5; 56,10,11. 

Sonstige Consonantenverbindungen reimen gewöhnlich mit 

dem ersten Teil ihrer Combination. 

Rom. V (auch w geschr.) und germ. w reimen nicht mit 
einander und für 72,12: as the Ewangelist wrait haben vrir wohl 
Fehlen der Alliteration anzunehmen. 

Zuweilen wird der Forderung der Alliteration erst dadurch 
genügt, dass das auslautende n des Artikels oder des Possessiv- 
Pronomens zu dem folgenden mit Vokal beginnenden Worte her- 
übergezogen wird: 

9,1; I am netherit ane owl thus he natur. 
20,7; It neidis nocht to renewe all myn unhele. 

Alle Vokale reimen unter einander und mit dem Spiritus 

asper in german. und roman. Wörtern, ebenso natürlich auch mit 

bloss unorganischem h: 

Addit in thar armes, for honorahle catis 34,9; 
Archihald the Iionorable in Jiabitacioimis 43,6; 
It suld US occupy all day; thar for I end heir 45,8; 
Of honorable ancestry thir armis of eld 46,9; 
All thus thir hathillis in Jiall Jieirly remanit 66,1; 
l^hat hure that office honest and enterit hut hone 10, 12, 13. 



Berichtigungen. 

Seite 10, Zeile 11 v. o.: conquerebantur statt canqiierebantur, 

rejosand statt rcjosand, 
vow statt thow (bei Laing). 
pjBF statt |)er. 
vor „incress'^ fehlt „ ; **. 
nychtingalis statt nychtingatlis, 
CONSONAXTEN statt CONSONATEN. 



V 


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10 


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32, 


V 


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Vita. 

Natus sum Josepkus Gidmann in oppido Giiestjphaliaef cui 
nomen est Beverungen, die XV mensis Decenibris anni 1865 
patre Isidoro, quem vivum pio gratoque animo veneror, matre 
Johanna e gente Biermann, quam morte mihi ereptam vehementer 
lugeo, Fidei addictus sum mosaicae. Primis eruditionis elementis 
in scholis privatis imbutus receptus sum in classem secundam 
gymnasii realis Mindensis, quod ab anno 1880 usque ad annum 
1882 frequentavi. JDeinde stminarium Monasteriense adii. Vere 
ineunte anni 1885 testimonium pro facultate in ludis literariis 
docendi consecutus usque ad auctumnum anni 1888 Gerae versatus 
sum munere magistri fungens. Eodem tempore quam maxime inter- 
fui lectionibus primae classis gymnasii realis Gerensis, quod adhuc 
floret au^iciis Beinholdi Kiessler, viri doctissimi et optime de me 
meriti. cui gratias debeo maocimas. Ibidem testimonium maturitatis 
adeptus auctumno anni 1888 Berolinum me contuli, ubi pi'aecipue 
linguarum recentium studio me dedi. 

Per septies sex menses magistri mei hi viri doctissimi fu- 
erunt: Bashford, Bouvier, Dilthey, Ebbinghaus, Harsley, Haussier, 
Hensel, Hoffory, Knoblauch, Kundt, Paulsen, Ericus Schmidt, 
Schwan, Tobler, Waetzold, Weinhold, Zeller, Zupitza. 

Per bis sex menses seminarii anglici sodalis eram 
Ordinarius. 

Omnibus Ulis quos supra nominavi viris cum gratum et 
beneficiorum memorem animum conservabo, tum maxime Julio 
Zupitza, quod summa benevolentia studia mea adjuvit gratiam 
reddo semperque habebo. 



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